This is a reproduction of a library book that was digitized by Google as part of an ongoing effort to preserve the Information in books and make it universally accessible. Google" books https://books.google.com Google Über dieses Buch Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann von Land zu Land unterschiedlich sein. 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Von diesen Gedichten sind bis jetzt nur 8 vollständig 2 ) und 4 zum Teil 3 ) im Drucke erschienen, während von den übrigen 12 unedierten 4 ) sich nur kurze Bruchstücke in den von Paulin Paris in 3er „Histoire litteraire de la France“ (Tome XX, 706 ff., XXII, 435 ff.) und von Leon Gautier in seinen „Epopees framjaises“, 2 e ed., t. IV, 106 ff. gegebenen Ana- lysen und in den Spezialuntersuchungen von Stoeriko 5 ), Hart- mann und Rudolph 6 ) finden. Zu den noch ungedruckten Teilen unseres Epenkreises gehört auch „Guibert d’Andrenas“, dessen 4 Handschriften ich in den Jahren 1889 und 1890 auf An- regung des Herrn Prof. Stengel in London und Paris kopierte. 0 L. Gautier, Les Äpopees Frangaises, 2« 6d. Bd. IV, Paris 1882, p. 4. Gaston Paris zählt in seiner „Littärature frangaise au moyen äge“ 2© ed. Paris 1890, p. 62 nur 20 Epen dieses Cyklus. „Hernaut de Beau- lande“ und „Renier de Gennes“ sind nach ihm (cf. Romania Bd. XII. „Le Roman de la Geste de Monglave“) und K. Hartmann („Ueber die Eingangsepisoden der Cheltenhamer Version des Girart de Viane“. Diss., Marburg 1889, p. 7 ff.) Erweiterungen des „Girart de Viane“ und nicht, wie Gautier annimmt, ursprünglich selbständige Romane. Auch den „Siöge de Narbonne“ und die „Prise de Cordres“ nennt G. Paris nicht als be- sondere, getrennte Teile unserer Geste. 2 ) Vollständig gedruckt sind: 1) Le Couronnement Looys. 2) Le Charroi de Nimes. 3) La Prise d’Orange. 4) Le Covenant Vivien. 5) Aliscans. 6) Beuve de Commarchis (Bearbeitung des „SiSge de Bar- bastre“, der noch unediert ist). 7) La Mort Aymeri de Narbonne. 8) Aymeri de Narbonne. 3 ) Zum Teil gedruckt sind: 1) Girart de Viane. 2) Le Moniage Guillaume. 3) Foulque de Candie. 4) Les Enfances Vivien. 4 ) Noch unediert sind: 1) Les Enfances Garin. 2) Garin de Mont- glane. 3) Hernaut de Beaulande. 4) Renier de Gennes. 5) Les Enfances Guillaume. 6) Le Departement des enfans Aimeri. 7) Le Siege de Nar- bonne. 8) La Bataille Loquifer. 9) Le Moniage Renoart. 10) Guibert d’Andrenas. 11) La Prise de Cordres. 12) Renier. 5 ) Adolph Stoeriko: „Ueber das Verhältnis der beiden Romane Dur- mart und Garin de Monglane“. Diss, Marburg 1888. (Ausg. u. Abh. LXXVII.) 6 ) Karl Rudolph: Das Verhältnis der beiden Fassungen, in welchen die Chanson Garin de Monglane überliefert ist, nebst einer Untersuchung der Enfances Garin de Monglane. Diss., Marburg 1890. Digitized by LjOOQie 6 2] Ueber diese Branche war man bisher auf eine jedenfalls zu kurze und teilweise auch inkorrekte Analyse in der „Histoire litteraire de la France“, t. XXII, p. 498 ff. und einige wenige Bemerkungen in K. Nyrop „Den oldfranske heltedigtning“ Kopenhagen 1883 *) angewiesen. 3] Die vorliegende Arbeit hat den Zweck, zur besseren Kenntnis dieses Teils der Geste beizutragen, indem sie 1) die Stellung der 4 Handschriften zu einander feststellt, 2) eine ausgiebige Analyse nach der inhaltlich besten Handschrift unter Berücksichtigung der wesentlichen Abweichungen der 3 andern Handschriften bietet, und 3) die Beziehungen des Gedichtes zu andern Epen, hauptsächlich desselben Cyklus, näher untersucht. Abkürzungen. 4] Aym.: Aymeri de Narbonne, ch. d. g. p. p. Louis Demaison. Paris 1887. 2 Bde. (Soc. des Anc. Textes.) Mt. A. : La Mort Aymeri de Narbonne, ch. d. g. p. p. J. Couraye du Parc. Paris 1884. (S. d. A. T.) Co . Lo . : Le Couronnement de Louis, p. p. E. Langlois. Paris 1888. (S. d. A. T.) Pr . d’O.: La Prise d’Orenge p. p. W. J. A. Jonckbloet in: Guillaume d’Orange. Chansons de geste des XI© et XII© stecles. Tome I. La Haye 1854. (T. II: Examen critique des ch. d. g. de Guillaume d’Orange. La Haye 1854.) Al . b: Aliscans, p. p. F. Guessard & A. de Montaiglon. Paris 1870. (Les Anciens Portes de la France X.) (Der Paralleltext zu Al. a, p. p. Jonckbloet:. Gnill. d’Orange V.) Co. V .: Li Covenans Vivien, p. p. Jonckbloet: Guill. d’Orange IV. E . F.: Les Enfances Vivien, ch. d. g. Partie I. p. p. Carl Wahlund & Hugo von Feilitzen. Upsala-Paris 1886. P\ de C .: Foulque de Candie, par Herbert Leduc, de Dammartin p. p. Prosper Tarb6. Reims 1860. S. de N.: Le Stege de Narbonne. 8. de B.: Le Stege de Barbastre. 2 ) G. d’A.: Guibert d’ Andreaas. Pr. de Co.: Prise de Cordres. jß. de C.: Raoul de Cambrai, ch. d. g. p. p. P. Meyer & A. Longnon. Paris 1882. (S. d. A. T.) A. u. A. : Ausgaben und Abhandlungen aus dem Gebiete der romanischen Philologie, hsgg. v. E. Stengel, Marburg. *) Vgl.: Christoforo Nyrop, Storia dell’ epopea francese nel medio evo. Prima traduzione dall’ originale danese di Egidio Gorra. Firenze 1886, wo wir p. 145 den kurzen Artikel über Guibert d’Andrenas finden. 2 ) Herr Dr. Gundlach aus Weilburg stellte mir auf meine Bitte die von ihm seiner Zeit angefertigten Abschriften der Hss. dieses Ge- dichtes zur Verfügung, wofür ich ihm hiermit besten Dank sage. Digitized by Google I. Die Handschriften und das Handschriften -Verhältnis. 5] Bis heute sind vier sämtlich in Zehnsilblern mit einem Sechssilbler am Schlüsse einer jeden Tirade verfasste Hand- schriften des G. d’A. bekannt. Drei davon befinden sich im Britischen Museum zu London (Roy. 20 D. XI, Roy. 20 B. XIX und Harl. 1321), die vierte in der Bibliotheque Nationale zu Paris (fr. 24369). Wir bezeichnen dieselben mit den Buch- staben A bis D, wobei wir J. Couraye du Parc (s. dessen Ausgabe der Mt. A. Introduction XXVI ff.) folgen. 6] A = London, British Museum, Royal 20 D. XI, fol. 240c — 247 e; jede Spalte enthält 53 Zeilen, zusammen 2371 Verse. 7] B *) = Paris, Bibi. Nat. fr. 24369, La Valliere 23, anc. 2735, fol. 156 d — 169b; jede Spalte hat 44 Zeilen, zusammen 2367 Verse. 8] C = London, British Museum, Royal 20 B. XIX, fol. 152b— 166a; die Spalte zählt 42 — 46, meist aber 45 Zeilen, im ganzen 2564 Verse. 9] D — London, British Museum, Harleian 1321, fol. 176a — 191 d. Jede Spalte hat 40 Zeilen, nur fol. 184c/d und 185a/b haben 39, fol. 177c 38 Zeilen. Gesamtzahl 2459 Verse. 10] Gautier setzte in der ersten Auflage seiner „Epopees Franqaises“, Paris 1868, t. III, p. 26 — von den 3 ihm nur bekannten Hss. A, B, D — A und D ins 13., B ins 14. Jahr- hundert, in der zweiten, Paris 1882, t. IV, p. 25, aber A und B ins 14., C und D ins 13. Jahrhundert, worin auch die neueren Herausgeber von Teilen dieser Handschriften mit ihm übereinstimmen. ') Nach Blatt 162 folgt ein ungezähltes, dessen oberes Ende abge- rissen ist. Ich bezeichne es mit 162*. Digitized by LjOOQie 8 11] Die Handschriften sind verschiedene Male in ihrer Gesamt- heit beschrieben worden (so z. B. von Michel, Gautier, Ward 1 )), für uns kommen im folgenden nur diejenigen Untersuchungen in Frage, die auf eine Classification der Hss. oder vielmehr nur einzelner Abschnitte derselben abzielten. Es sind: 1) Adolph Gundlach: Das Handschriften -Verhältnis des S. de B. Marburg 1883, A. u. A. IV, p. 142—143 und 173. 2) J. Couraye du Parc: Mt. A. Introduction, p. XXVI ff. 3) Louis Demaison : Aym. Introduction p. XXIV ff. und XLI ff. — 4) Alfred Nordfeit spricht in seiner „Classification des Manuscrits des E. V.“ im „Recueil de memoires philologiques presentö ä M. G. Paris etc.“, Stockholm 1889, und in den „Etudes sur la chanson des E. V.“, Stockholm 1891, die sich an die Ausgabe der E. V. von Carl Wahlund und Hugo von Feilitzen, Paris-Upsala 1886, anschliessen, nur von dem Ver- hältnisse von A zu B, da er es sonst mit anderen Hand- schriften zu thun hat. 12] Alle 3 erstangeführten Arbeiten stimmen darin überein, dass die 4 Hss. 2 Gruppen bilden, dass A B C D gegenüber- steht. Die nachstehende Untersuchung ergiebt, dass diese Ansicht auch für G. d’A. zutrifft. 1. A und B bilden eine Gruppe gegenüber C und D. 13] Schon bei einem flüchtigen Vergleiche der Hss. des G. d’A. erkennt man die grosse Aehnlichkeit zwischen A und B gegenüber C und D, die ihrerseits wieder die engsten Be- ziehungen zu einander aufweisen. Um jeglichen Zweifel zu beseitigen, seien eine Anzahl fehlerhafter Lesarten und Lücken, in denen je 2 Hss. gegen die andern Zusammengehen, an- geführt. A. Gemeinsame Lesarten von 2 Hdss. gegen die andern, a. Gemeinsame Fehler von AB gegen CD. 14] A 241 e 46—53 und B 159c 14—21 lautet es: 46 (14) „Biax filz Quillaumes ne soiez recreüz 47 (15) 0 .XX. M. homes armez et feruestus 48 (16) A roides lances et ä destriers crenus! 49 (17) 0 nous menrons nos amis et nos druz. *) Catalogue of Romances in the Departement of Manuscripts in the British Museum. Vol. I. London 1883. Digitized by LjOOQie 9 60 (18) Pour 8ecours querre sui ci ä vous venuz. 51 (19) Venez o moi, ne soiez recreüs! 52 (20) 0 nous menrons nos amis et nos druz, 53 (21) Tant que serons. c. milliers ä escuz“ .... C 154 d 33 — 39 und D 179 a 18—24 lesen wir dagegen: 33 (18) „Biau filz Guill aumes ne soiez esperduz (D: recreüz)! 34 (19) Por secors querre sui ci ä uos uenuz. 35 (20) Venez o moi, ne soiez esperduz, 36 (21) A .X. M. homes armez et fernestuz 37 (22) A roides lances, ä bons destriers quernuz! 38 (23) 0 nos merrons nos amis et nos druz, 39 (24) Tant que serons .c. milliers ä escuz“ Die Verse A 241 e 50 — 51 und B 159c 18—19 stehen fälschlicher Weise zwischen den zwei gleichlautenden Versen A 241 e 49 und 52 = B 159 c 17 und 20, anstatt, wie C und D es richtig haben, unmittelbar nach Vers A 246 e 46 = B 159 c 14 zu folgen. Nur so ist die Stelle verständlich. 15] A 244 d 24—27 = B 163 c 17—20 lauten: 24 (17) „Bataille quier ä ceus de la eite, 25 (18) Mal soit de cel qui se soit adoube 26 (19) A .ij. milliers qui lä seront trouue“. 27 (20) Cil de leenz en sont as murs montä . . . C 159 d 8-11 = D 184 d 35-38: 8 (35) „Bataille quier ä cels de la eite 9 (36) As .ij. meillors (D: mellors) qui lä (D: i) seront trouA 10 (38) Mal de celui qui s’en soit adob6“. (D: Mal soit de cel qui ann oit mot sone“.) 11 (37) Cil de leeinz en sont as murs montA (D hat die beiden letzten Verse unrichtiger Weise um- gestellt). Die Versstellung von AB ist falsch und der Sinn so un- klar; „ meillors “ (mellors) in CD für „milliers“ in AB wohl die bessere Lesart. 16] A 244 e 47 — 48 = B 164a 7 — 8 (B hat in 5—6 noch zwei weitere Verse) sind Verse, die in C 160 a nach v. 43, in D zwischen 185 b 35 und 36 fehlen und dann in allen Hss. 10 Verse weiter am rechten Platze wiederkehren; es sind also entbehrliche Einschiebsel in AB. — An der- selben Stelle heisst es in A 244 e 49 = B 164 a 9, dass 5 Sarazenen zum Könige Judas eilen, um ihm die Nachricht von der Einnahme des Turmes Argoline zu überbringen, wäh- rend in C 160 b 1 und D 185 b 36 nur von einem die Rede ist. 17] A 246 a 5 = B 166 a 36 lesen wir: Autour franco«« a le turc mort iet$. Digitized by v^ooQie 10 C 162 d 13 = D 188 a 12 steht dafür: Antor francois ra lo tierz mort ietd. C fügt v. 14 noch hinzu: Puis ra lo qart et lo quint afolö. Wir sehen, dass AB „turc“ für „tierz“, in der Vorlage vielleicht „tierc“ geschrieben, verlesen hat, da sonst die Tö- tung des dritten der 5 Heiden in AB ganz verschwiegen wäre, während alle Hss. im folgenden dann den Fall des vierten und fünften ausführlich berichten. — Vergleichen wir hierzu A 245 c 18 = B 165 a 14: Si aionsterent .ij. M. maintenant und C 161b 22 = D 186c 35: Dont aiostent les .ij. oz ai'tant (D: Lors asamblerent les .ij. olz maintenant), wo ein ähnlicher Schreibfehler zu Grunde liegt. 18] A 247a 46 = B 168a 41: Qtti les occient et sanz rachastement ist „et“ eine fehlerhafte Einschiebung. C 165a 3 steht dafür: Toz les oc'ient sanz nnl delaiement. D 190b 39: Toz les oci'strent sanz nul rachastement. 19] A 241 e 9—11 = B 159 b 21—23: Tel auenture lor a diex fet donner, Que. XV. (B: Qu’ä .XVI.) lieues par dehl Balesguer Trouua Guibers le chetif Aymer. C 154c 39 — 41 =D 178d 18 — 20 steht dafür richtig „ li a dex fet donner, Qu’h .XV. Heues par delä Balesguer Troua Guiberz lo chetif Aymer“. 20] A 240f 47 = B 158 a 14 sagt der alte Aymeri zu seinem Sohne Guibert: „Si me Yerrez tous mes . VII. filz mander“. C 153b 35 = D 177b 11 spricht er nur von „.VI. filz“, was die richtige Lesart ist, da Guibert ja der siebente und jüngste von Aymeris Söhnen ist (cf. hierzu auch „Aym. v. 4504 und 4603 ff.) b. Gemeinsame Fehler von CD gegen Aß. 21] C 155a 45— 155b 1 = D 179b 37—38: En sa compaigne maint cheualier uaillant. Li Quens apele Hermeniarz la uaillant. Digitized by Google 11 Der Verschluss des zweiten Verses ist dem ersten ent- nommen. A241f 53 = B 159 d 30 finden wir richtig dafür „la sachant “ (B: le s.) 22] C 157c 15— 16 = D 182 b 5—6: Li rois Baudux xe prist ä. escrier: „Argali’ene, que ne me secorez“? (D: Argaliane, et car me secorez!) für A 243b 50— 51 = B 162b 13—14: Li rois Bandus les prist ä. apeler : „A! (B: Ha!) Galiene, uenez moi deliurer“! Die Kopisten von C und D haben die Interjektion Al (B : Ha !) infolge der grossen Aehnlichkeit zwischen dem Aus- rufungszeichen und dem Buchstaben r fälschlich zum Namen „Galiene“ hinzugezogen. Das „et“ in D ist unverständlich. 23] Nachdem der seines Landes beraubte unglückliche König Bauduc von Judas freundlich aufgenommen worden ist, fährt C 158a 7 = D 182 d 20 dem Zusammenhänge zuwider fort: A Andrenas en sont uenu gabant. A 243 d 34 = B 162d 15 haben dafür „atant“. 24] Als der alte Aymeri dem gefangenen Heidenkönig Bau- duc alle die Vergünstigungen aufgezählt hat, die er ihm zu teil werden lassen will, wenn er bei den Seinen die Ueber- gabe der Stadt Balesguer bewirke, antwortet der Sarazenen- fürst: C 157 b 30 = D 182 a 14: „Ge otroi (D: ostroi) bien ce que uos oi conter“, während A 243b 20 = B 162a 27 dafür zu lesen ist: „Je croi bien ce que ie vous oi conter“. Die Lesart „uos croi“ ist vermutlich die ursprüngliche und „ostroi“ daraus verlesen. 25] C 164 a 10 = D 189 b 20 wird von dem Feldzeichen, das der gefangene Aymeri in Andrenas zum Turmfenster hinaushängen lässt, berichtet, dass es eine „croiz tiermeille“ hat. C 164b 32 = D 189 d 8 heisst es aber: La croiz en mi blanche com flor de lis, während wir A 246d 42 = B 167b 11 zwar auch finden „as crois vermeilles“, aber 246e 53 — 167c 30: La flor de lis par dedenz la crois mis. Wir erwarten in dieser letzten Lesart „mise“. Ursprüng- lich wird gestanden haben: La flor de lis dedenz la crois en mi. Digitized by Google 12 B. Lücken. 26] In CD fehlen Verse, wie: A 242a 53 = B 160a 40; A 242d 31 = B 161a 2; A 242 e 47 = B 161b 27; A243e20— 21 =B 162*a 10—11; A 244c 7 = B 163a 33; A 244c 39 = B 163b 21; A 244 f 27 = B 164a 40. — Die Zahl der Fälle, wo in A B Verse fehlen, die sich in CD finden, ist weit grösser; ich führe daher nur folgende charakteristische an: C 154b 3 = D 178b 10; C 154d 8 = D 178d 32; C 155b 39 = D 179c 37; C 157a 25 = D 181d 2; C 168c 29 =D 183c 22; C 158d 26— 29=D 183d 29—32; C 159b 27 — 29 = D 184c 3—6; C 159c 5 = D 184c 25; C 159c 40 = D 184d 22; C 160b 30 = D 185c 27; C 161b 17 = D 186c 29; C 161c 11 = D 186d 27; C 162d 44— e 2 = D 188b 3—5; C 163b 19 =D 188c 25; C 164d 1=D 190a 30; C 165a 6 = D 190c 3; C 165a 8— 11 = D 190c 5—8; C 165d 11 = D 191c 3. 27] Da es zwecklos wäre, alle sonstigen abweichenden Les- arten beider Gruppen aufzuzählen, greifen wir nur noch eine beliebige Tirade des Gedichtes heraus und stellen den Text der beiden Gruppen gegenüber, indem wir uns dabei an die Schreibart von A einer- und C andrerseits halten. Der Mangel jeder eigentlichen Variante in B von A, sowie die immerhin geringfügigen Abweichungen in D von C zeigen zugleich recht deutlich die enge Verwandtschaft, welche zwischen A und B, sowie zwischen C und D besteht. 28] Die Tirade A 241a 23— b 9 = B 158a 43— b 38 lautet: 1 Or ot li peres l’otroi de son enfant, 2 Forme n t en ot le euer lie et ioiant. 3 .iiij. baron s’en lieuent en estant 4 Qui li amainent Aymeriet deuant. 5 Quens Ay meris se leua en estant: 6 „Filluel, dist il, uenez . i . poi auant, 7 Tenez Nerbowe, ie uous en rent le gant, 8 De cui me seruent cheualier et seriant! 9 Je le te doins par itel couuenant, 10 Que dies t’en face baut et liö et ioiant. 11 Garde paiens, ne te truisent taisant, 12 Neiz qu’il ont fet kymeri (B: Aymeri) le ferrant.“ 13 A ces paroles en apela Morant: 14 „Toutes mes armes aportez ci deuant! 15 S’adouberai mon filluel maintenant, 16 Mäs une chose vous di io en oiant: 17 Ne demourra mie ci longuement Digitized by LjOOQie 18 Por seiorner ne por dosnoiement, 19 0 moi ira en Espaigne la grant 20 Penre la terre Guibelin raon enfant, 21 Ne li faudrai en trestout mon uiuant“. 22 „Sire, fet il, tout k uostre talent M . 23 Toutes les armes li aportent deuant, 24 El dos li uestent . i . hauberc jaseraut, 25 El chief li lacent . i . vert elme luisant; 26 Quens Aymeris au poil chenu ferrant 27 Li ceint Pespee au poing d’or reluisant 28 Esckafaudine qui fu au uiel soudant; 29 Hauce la paume Aymeris li uaillant, 30 A son filluel en done . i . cop si grant, 31 Tout Pembronca sor l’auberc jaserant. 32 „Filluel, dist il, m’espSe te commant, 33 Je le te doins par itel couuenant, 34 Que diex te doint honor et hardement; 35 Se mieudre n’ez, ä moi soies semblant 36 Aussi hardis et aussi combatant 37 Et sus paiens autressi conquerant. 38 Biax cliier filluel, por uoir le te creant, 39 Que couardise ne fis en mou viuant, 40 Jä ne l’orras retraife“. C 153 c 20 — dl5 = D 177 c 2 — d 6 heisst es dagegen 1 Or ot li peres l’otroi de son enfant, 2 Forment en a (D : ot) le euer li6 et ioiant. 3 .iiij. baron se lieuent en estant 4 Qui li amoinent Aymeriet deuant. 6 Voit PAymeri, lieue soi aitant (D: maintenent): 6 „Filluel, dit il, uenez . i . po auant, 7 Tenez Nerbone, si receuez (D: ie uos au doig) lo gant, 8 Dont me (D: il me) seruent cheualier et seriant! 9 Ge la te doig par itel couenant, 10 Que dex t’en (D: te) face baut et li6 et ioiant. 11 Garde (D : Gardes), paien ne te truissent tesant, Ne enuers eis (D: aux) mat6 ne recreant, 12 Ne qu’il ont fet Aymer lo ferrant“ ! 13 A cez paroles en apela Morant: 14 „Totes mes armes aportez (D: m’aporte) ei auant (D: devant) 15 S’adouberai mon filluel aitant (D: maintenant), 16 M&s une chose li dirai en oiant: 17 Ne seiorna (D: demorra) mie ei louguement 18 Por reposer ne por donoiement, 19 0 moi ira (D: vandra) en Espaigne la grant 20 Prendre la terre Guibelin mon enfant, 21 Ne li faudrai \k ior en (D: k) mon viuant“. 22 „Sire, fet il (D: eil), tot k uostre comant“. 23 Totes ses armes li aportent deuant, 24 El dos li uestent la (D: .i.) hauberc iazerant, 25 El chief li lacent le uert eaume luisant; 26 Quens Aymeris au poil chanu ferrant 27 Li caint PespSe au pont reflambiant (D: d’or reluisant) 28 Escaufadine (D: Escaufagine) qui fu au uiel sodant; 29 Hauce la paume Aymeris le uaillant, Digitized by LjOOQie 14 30 A son filluel en done .i. cop pesant (D: si grant), 31 Tot l’enbroncha soz Taubere iazerant. 32 „Filluel, dit il, m’espSe te eomant, 33 De moi la tien par itel couenant, 34 Que dex te doinst proece et hardement; 36 Ausi hardi et ausi conbatant 35 Se meudre n’es (D: n’i&s), ä moi soies senblant 37 Et uers paiens autressi conquerant. 38 Biau chier filluel, por uoir le te creant, 39 Que (D: Ainz) coardise ne fist k son viuant 40 Li sires de Nerbone“. 2. Das Verhältnis von A zu B. 30] Bereits A. Gundlach hat A. u. A. IV, p. 143—145 be- wiesen, dass A und B (bei ihm mit D und L bezeichnet) „fast durchweg, selbst in Kleinigkeiten Zusammengehen, ohne aber darum von einander abhängig zu sein“, (cf. p. 173.) 31] J. Couraye du Parc, der B für jünger hält als A, (cf. Mt. A. Introduction, p. XXVI f. und XXXIX.) vertritt, ohne sich auf Gundlach zu beziehen, die gleiche Ansicht. Er be- weist auch, dass B nicht von A abgeschrieben sein kann ; die Möglichkeit, dass B Vorlage für A sein könnte, war infolge seiner Datierung der Hss. für ihn von vornherein nicht an- zunehmen und hat er sie darum auch durch keine spezielleren Beweise ausgeschlossen. 32] Ebensowenig wie du Parc hat L. Demaison sich auf Gundlach bezogen. Er weist umgekehrt wie du Parc nach (cf. Aym. Introduction, p. LI ff.), dass A keine Copie von B sein könne, während er für B einen Unabhängigkeits- Beweis von A beizubringen unterlässt, weil: (p. LIII) „celui-ci doit etre d’une date un peu posterieure , ainsi que nous l’avons dömontrö plus haut“. Dort (p. XXXIV ff.) stützt er seine Behauptung auf einen Vergleich der in beiden Hss. seinem Gedichte vorausgehenden Miniaturen. Er sagt da: „Les miniatures qui preeödent Aymeri de Narbonne dans les deux manuscrits ont tant de similitude qu’ eiles sont sürement imitees d’un meme modele. Ces analogies si frappantes ont fait croire ä M. H. Suchier que le copiste du ms. 24369 avait eu l’autre ms. sous les yeux“. ‘) Aber die *) Cf. Ward I, 643: „Since writing the above“ (es handelt sich um die Beschreibung der Handschrift Roy. 20 D XI) „I have been informed by M. Hermann Suchier that he feels convinced that the scribe of La Vall. 23 had the present Hs. before him“. Digitized by Google 15 Rüstungen und Waffen seien auf dem Miniaturbilde von B so gemalt, wie sie am Anfänge, die von A, wie sie gegen Mitte des 14. Jahrhunderts getragen wurden“. 33] Daraus lässt sich jedoch meiner Meinung nach noch kein stichhaltiger Beweis für Demaisons Datierung der beiden Hss. entnehmen. Kann doch der eine Maler sich genau an die alte Vorlage gehalten haben, während der andere, obwohl älter, sich grössere Freiheit gestattete. Und wäre es andrer- seits so unerhört, dass das modernere Bild in der älteren Hs. erst später nach dem Vorbilde der Miniatur der jüngeren Hs. in den dafür vorgesehenen freien Raum eingemalt wäre? 34] Alfred Nordfeit endlich hat in seiner „Classification des Manuscrits des E. V.“ und in seinen „Etudes sur la chanson des E. V.“, ohne Rücksicht auf das Hss.-Alter zu nehmen, unter Vergleichung noch anderer Hss. für die von ihm untersuchte Chanson die volle Unabhängigkeit jeder der beiden Hss. von der andern dargethan, ohne freilich auch seinerseits Gund- lachs gleichartiger Resultate zu gedenken. 35] Wie C. du Parc und A. Nordfeit, so schien auch mir für den ersten Augenblick die Hs. B unseres Gedichtes eine wenn auch indirekte Kopie von A zu sein, da die Lesarten beider Hss. fast durchweg identisch sind und sich beinahe alle Lücken und Fehler in beiden Hss. finden. — Verse, wie B, 164a 5—6, 169a 1 — 2 und 5 — 6, die in A fehlen, sind Interpolationen ; sie fehlen auch in C und D. — Genaueres Zu- sehen ergab jedoch, dass beide Hss. unabhängig von einander sind. a. A kann nicht Vorlage von B sein. 36] In A fehlt fol. 242 c der die -er-Tirade schliessende Sechssilbler, den wir sonst nirgends missen. Allerdings könnte B diesen Halbvers, der in C D anders lautet, selbständig hinzu- gefügt haben. Abgesehen von diesem zweifelhaften Falle, treten uns aber in B eine Anzahl Lesarten entgegen , die B mit C D gemeinsam hat. 37] A 246b 6 — 7 lesen wir: Quant il le uoient en haut li ont huc‘§: „N’en meurez (mourez?) pas fei uiellart renoi6 w . B 166c 3 = C 163a 31 — D 188b 34 steht richtig dafür: „N’en irez pas (C D mie) .... Digitized by Google 16 38] A 244 f 62—53: S'einsi le faites coin ie vous oi conter Li miens tresors vous sera deliurez. B 164b 22; C 160c 17; D 185d 17 haben dafür: „ferai deliurer“. (D: ferai tot liurer.) 39] A 242 e 6—8: Fiert le paien sor son escu liste, De chief en autre li a frait et troe Et le hauberc desrompre et despaner. B. das den Worten nach hier mit A geht, hat 161a 32 richtig „rompu et despane C 156 c 1 und D 180 d 37 gehen andererseits zusammen und lesen: „derroz (D: et roz) et dessafrez 40] A 247 d 14: „La serez vous .iij. M. de ma gent“. B 168d 36 hat: „Laisseren vous“; C 165c 39 hat: „Lesserai uos“; D 191b 21: „Laiseroiz uos“. 41] A 240d 31 liest A allein falsch: „Andecrias“ für „An- dreres“ der anderen Handschriften. b. B kann nicht Vorlage von A sein. Beweise: 42] Der von A C D übereinstimmend gebotene von B ab- weichende Schluss des Gedichtes (cf. p. 97). 43] Zwischen 167 b 23 und 24 fehlt in B ein Vers, der in A C D enthalten und für den Sinn des folgenden unentbehr- lich ist: Die Stelle lautet nach ACD (A 246 d 53 — e 3; C 164a 22—25; D 189 b 32—35): 1 „Or poez vous ueoir et (C: uos bien por uoir; D: bien tot por uoir) esprouuer 2 Ce que l’en seult et oir (C D : seit o'ir dire) et conter 3 Qu’en sa meson seult l’en tel osteier (CD: fet en tel amener) 4 Qui en la fin le fet tost (B: tout) hors (CD: l’en fet puis fors) bouter (C: ieter)“. In B fehlt Vers 3. 44] Zwischen B 167b 2 und 3 fehlt A 246d 33 = C 163d 45 =D 189b 11. Augalete verheisst dem im Turme von Andrenas ge- fangenen greisen Aymeri Rettung aus der ihm drohenden Lebensgefahr; er vertraut auf ihre Hülfe und verspricht ihr dafür dankbar zu sein. Digitized by Google 17 „Sire, ... ne uous couient douter“, entgegnet sie und eilt, ihn zu bewaffnen. Die Worte der Königstochter fehlten in B. 45] B 162b 30—31 lauten: La vile prennent enuiron de tous lez, A maint paien en ont lez chies copez . . . A 243c 15; C 157c 33; D 182b 23 steht dafür: „A . M. (D: mil) paiens“. 46] B 162*b 16 heisst es von Aymeriet: . . . fils au duc Bueuon le Her „Bneuon“ ist fehlerhaft, da AOD (A 243 f 17; C 158c 1; D 183 b 33) an dieser Stelle und alle 4 Hss. am Anfänge unserer Chanson (A 240c 48; B 157 a 34; C 152c 12; D 176b 15) „Tierri“ (C: Terri) aufweisen. 47] B lässt 159 b 22 Guibert den „chetif Aymer“ XVI. Heues par delä Balesguer finden, während A 241 e 10 gemeinsam mit C 154 c 40 und D 178d 19 nur „.XV. Heues “ zählt. 48] B 163 a 14 erblickt Aymeri „.XX. marcheans“, die dann den Streichen der Franzosen unterliegen. A 244b 41; C 159b 1 und D 184b 15 haben: „.X. marcheans“. Diese Fälle mögen genügen, um die Unabhängigkeit jeder der beiden Hss. A und B von der andern zu beweisen. 3. Das Verhältnis von C zn D. 49] Schon A. Gundlach (A. u. A. IV, p. 145 — 150) und L. Demaison (Introd. p. XLIX — LIII) haben für ihre Gedichte voll bewiesen, dass C und D von einander unabhängig sind. Du Parc unterlässt es (Introd. p. XXXIX) zu beweisen, dass keine der beiden Hss. von der andern abgeschrieben ist; er betont nur ihre grosse Verschiedenheit und beweist dann an der Hand der „remaniements“, dass zwischen jedem der beiden Manuscripte und der ihnen gemeinsamen Vorlage noch mehrere Kopieen existierten. In welchem Zusammenhänge stehen nun die gleichen Hss. unseres Gedichtes? a. C kann nicht Vorlage von D sein. 50] In C finden wir die meisten Lücken und andererseits die meisten Zusätze, die D mit AB nicht bietet. Von den Lücken erwähne ich nur folgende charakteristische: ä Digitized by Google 18 51] Nachdem die Heiden im Turme von Andrenas sich er- geben haben, wollen sie sich taufen lassen. Es heisst da A 247c 9—11; B 168c 22—24; D 190d 37—39 von den Fran- zosen : Emni la nile ont .i. (D: les) fons apieste En une cuue de vert (D: q’ert de) raarbre liste, Yaue i metent (D: D’eve font raestre) dedenz ä grant plente. In C fehlt der mittlere Vers zwischen 165 b 30 und 31, welche lauten: Enmi la vile ont les fonz apreste Et si font metre de l’ene grant plente. 52] C erwähnt nicht fol. 165c zwischen v. 30 und 31, dass die Franzosen auf ihrem Rückwege nach Nerbone die Stadt Balesguez wieder passieren, was ABD (A 247d5; B 168 d 27; D 191b 12) thun, während sie dann im folgenden Verse alle hinzufügen: Le roi Baudu lessent en la contrfce . . . 53] Nachdem Bauduc dem Aymeri eine List vorgeschlagen hat, um die Übergabe von Balesguez zu bewirken, fährt, er D 182a 25 fort: 1 „Je ai .iij. filz qui ti.it sont bachelev 2 Et ma mollier qui molt fet ä loer. 3 Desus ces murs vandro[n]t por esgarder. 4 Quidiez uos donc que puissent andurer . . ? Vers 3, der in C 157 b zwischen v. 42 und 43 fehlt, hat D mit A B (A 243b 33; B 162a 40) gemeinsam. A 243b 48—49 = B 162b 11— 12 = C 157c 13—14 =D 182b 3— 4 lesen dann alle 4 Hss. : Desor (D: desus) les murs fu la (BD: sa) femme au vis der Et si .iij. fil qui estoient molt ber (C D qui furent bacheier). 54] Ausserdem fehlen in C noch 84 Verse, die D mit A B gemeinsam hat. 55] Für die Tirade A 245 d 43-ell = B 165c 3— 24 = D 187 a 38 — b22 hat C 161 d 14 — 162 a 15 48 Verse, also 26 Verse mehr als AB und 23 Verse mehr als D, wo sich 3 in AB fehlende Verse von C vorfinden. 56] Auch sonst bietet C eine Menge Zusatzverse, die ge- meinsam in ABD fehlen. So hat allein C 162b 12— 162 d 15 38 Verse mehr als ABD. C hat ferner verschiedene isolierte und fehlerhafte Les- arten, die D mit AB richtig hat: 57] C 155 c 3—4: „Bien dites sire u , dit la dame de pris. Atant monta sor .i. destrier de pris. Digitized by v^ooQie 19 Der Versschluss des ersteren der beiden Verse ist aus dem folgenden heraufgenommen. A 242 a 46; B 160a 32; D 179d 10 haben dafür: „la dame gentis“. 58] C 158a 11 wird die zweite der 4 „puceles“ „Luce“ ge- nannt, während sie D 182d 24 = A 243d 38 = B 162 d 19 „Lnnete“ heisst. Diesen Namen bieten dann auch alle 4 Handschriften: A 243 e 11; C 158a 37; D 183a 11; B 162*a fehlt das obere Ende des Blattes, doch ist wohl anzunehmen, dass B wie vorher so auch hier übereinstimmend mit A ihr diesen Namen beilegte. 59] In C 158 a 35: „Et por lo sonie dont irC as fere ioiant“ ist „fere“ unverständlich. D 183a 9 lesen wir dafür richtig: „Tot por le sonie (lont tu m’ as fet ioiant“. Dieselbe Lesart haben AB (A 243e9; B 162d43). 60] C 159 a 19—20: Deu reclama et la söe uertu : „Par mandicon ai mon enfant perdu . . .“ D 184a 27 ff. lauten: 1 Dieu reclama, le uerai roi Jhesu: 2 „ Gloriex pere, par la teve uertu, 3 Par maudicon ai mon pere perdu . . .“ A 244b 14 — 16; B 162*d31 — 33 haben dieselbe Lesart wie D, nur haben sie im letzten dieser Verse statt des im Zu- sammenhänge falschen „pere“ das richtige „enfant“. Wir sehen, dass C in v. 159a 19 den Versschluss dem Sinne des Verses gemäss umgemodelt mit D 1 84 a 28, A 244b 15, B 162*d32 gleich hat. ABD haben 1 Vers mehr als C d. h. einen gemeinsamen von C abweichenden Versschluss im ersten und Versanfang im zweiten der 3 Verse. C kann demnach nicht Vorlage für D sein. 61] C 162b 46— cl: Et dit Judas: „Mahons uos sott garant Qui hui cest ior uos soit de mort garant“. Das Schlusswort in 162b 46 ist aus dem folgenden Verse entnommen. D 187d 7; A 245fl5; B 165d 37 lesen dafür: „d Mahom vous commant“. 62] In C ruft v. 163b 11 der Sarazene Brunamont dem alten Aymeri, der seines Rosses beraubt in arg bedrängter Lage ist, zu: „Se te reraues i k te ferai dolent“. 2 * Digitized by v^ooQie 20 v. 12 fährt die Hs. dann fort: Quant l’ot li quens molt graut pitie Ten prent. Dies „pitie“ passt durchaus nicht in diesen Zusammenhang. D 188c 18 liest dafür „poor“, ebenso A 246b 28 und B 166c 24. b. D kann nicht Vorlage von C sein. Es fehlen in D im ganzen 16 Verse, die sich in 0 und AB vorfinden. Die wichtigsten sind: 63] v. C 162c 26. 0 152c 21 ff. sagt Aymeri zu seiner Gemahlin über seinen „filluel“ Aymeriet: 1 „De filolage noient ne ]i promis. 2 A lui otroi Nerbone et lo pais 3 Jusqu’ k Bordiax et iusq’ k Mon-Cenis, 4 .iiij. citez et chastiax .xxxvi.“. 5 „Por amor deu, lo roi de paradi[s], 6 Dex aide (!), dit la dame ientils, 7 Com riebe fillolaie“ ! Vers 6, der zum Verständnis des letzten dieser 7 Verse unbedingt nötig ist, fehlt in D 176b zwischen v. 29 und 30, während A und B (A 240dl2; B 157b 5) ihn aufweisen. 64] C 153b 26— 27. C 153 b 24 ff. sagt Aymeri zu Guibert: 1 „Tais, gloz leebierre, dit Ay meris li ber, 2 Fil k putain, garcon, coart prouez! 3 De mon seior que auez k parier? 4 Se ie m’ aaise et faz mes riehetez, 5 Ge lo conquis dedenz mou jueue aA 6 Se uolez fere ausi, sei conquerez“! Vers 3 und 4 fehlen in D 177 b zwischen v. 3 und 4; v. 6 ist ohne sie unverständlich. AB (A 240f 39— 40; B 158a 6 — 7) haben die beiden Verse mit C gemeinsam. 65] C 156c 24. C 156 c 23 ff. heisst es : 1 De Pautre part ont fier estor rendu 2 Quens Aymeris ä la fiere uertu 3 Et Aymer et Hernauz li membruz. In D fehlt 181a zwischen v. 21 und 22 Vers 2. AB (A 242e 32; B 161b 12) haben diesen Vers, und kurz darauf wird Aymeri in allen 4 Hss. handelnd erwähnt. 66] C 163d28— 31. In D sagt Aymeri fol. 189 a 36 ff. zu Augalete betreffs seines Sohnes Guibert: 1 „II vos prandra k moliier et k per, 2 Si uos ferom en fonz regenerer“. 3 „De uos garir quit bien par tans panser . . . . “ Diese letzten Worte sind die Antwort Augaletes und stehen unvermittelt zum Vorhergehenden. C (163d28— 31) Digitized by Google 21 und AB (A 246dl7— 20; B 167a 31 — 34) haben zwischen Vers 2 und 3 noch folgende Verse: „Tot cest pai's aurez ä gouerner, Si uos fere anhedox coroner.“ „Sire, dit eie, ce fet ii mercier, Se uos (A B : i-) ce fetes que uos oi deuiser . . Von isolierten Lesarten in D führe ich an : 67] D 177 b 19: „Paserous utre Lalinde et Balesguez ..." für das richtige „Lande“ (C: Leride) der andern Hss. (A 241a 2; B 158a 22; C 153b 43). 68] D 177b 29: „Des, dist G{ui\ll[aumes}, biax rois de maiestg . . .“ fehlerhaft für „Guibers“ in ABC (A 241a 12; B 158a 32; C 153c 9), mit dem Aymeri im Zwiegespräche ist. 69] D 178c 14— 15: Truevent Garin le nobile baron, Tot lor mesaie lor content jusq’an son. „Lor“ ist falsch; die übrigen Hss. lesen „li“. (A 241 d 23; B 159 a 26; C 154b 45). 70] D 178d 33 steht fälschlicher Weise : „0 pales de Viane“ für „de Nerbone“ in ABC (A 241 e 23 ; B 159b 35; C 154d 9), wovon nur allein die Rede sein kann. 71] D 180c 7— 9: 1 „Franc cheualier, dist il, or i parra, 2 Vus estes tuit mi fll, or i parra 3 Qui sor paiens hardiement ferra.“ ist der Versschluss von v. 1 aus v. 2 entnommen. C 156 a 24 hat mit A 242c 47 und B 160d9 dafür: „entendez ca“. 72] D 183c 15 — 17 sagt Guibert zu seinen Baronen: „Antandez moi, mi nobile parant: Quens Ay meris nos maine malement Por son neuen que il aimme forment . . .“ Für das falsche „neuen“ bieten die andern Hss. (C 158 c 24; A 243 f 40 ; B 162*b 39) das richtige „filluel“, da es sich hier um Aymeriet, Aymeris Patenkind, handelt. 73] D 185a 7—8: „Ce est GuiWaumes, ie l’ai bien auise. Cil au cort nes, ie l’ai bien auise“. ist das zweite Hemistich von 185 a 7 in 8 übergegangen. C 1 59 d 20 lautet dasselbe : „au coraie adure“ ; ebenso A 244d 35 und B 1 63 c 28. 74] D 188b 19— 21: Tant a le glot & esperon chacie, Que prös do gue aual le consuie. Desor son hiame a plain le consiuie . . . Das „le consiuie “ des letzteu dieser Verse ist aus dem vor- hergehenden entlehnt. C 163a 18 hat mit A 246a 47 und B 166 b 34 den gemeinsamen Versschluss : „li a tel cop paii“. Digitized by LjOOQie 22 75] Das Resultat unserer Untersuchung ist also: A und B ebenso C und D bilden Gruppen; die Hss. jeder der beiden Gruppen sind unabhängig von einander. A und B gehen auf eine gemeinsame Vorlage v zurück, während C und D von einer Vorlage z herrühren. Doch auch diese Vorlagen sind nicht direkt von der Originalhandschrift abzuleiten, sondern weisen zunächst auf eine Mittelhandschrift x x hin, denn schon die allen 4 Hss. gemeinsame Vorlage hatte Fehler. Ich weiss allerdings aus G. d’A. vorläufig nur folgenden anzuführen: 76] Am Anfänge unseres Gedichtes nennt Aymeri alle seine Söhne nebst den Ländern, die sie beherrschen. Beuve de Commarchis wird aber hier in keiner der 4 Hss. erwähnt. Trotzdem fährt Aymeri fort: N’a que Guibert remez en cest pai's ... (A 240c 20; B 1 56d 20; C 152b 20; D 176a 20). Demgegenüber wird A 247e5; B 169a 40; D 191c 28 (C fehlt), wo die 7 Söhne wieder aufgezählt werden, Beuve ausdrücklich mitgenannt. 77] Auch A. Gundlach (A. u. A. IV, p. 147 No. 17 und p. 159 No. 94; cf. auch p. 173) und L. Demaison (Introd. p. LVIII f.) haben aus ihren Gedichten ähnliche allen 4 Hss. gemeinsame Fehler beigebracht, während C. du Parc (Introd. p. XXXVII f.) das Vorhandensein von mindestens einer Mittelhs. für seine Manuscripte auf Grund von „traces evidentes d’un meme remaniement“, die einige in den 4 Hss. enthaltene Stellen deutlich tragen sollen, voraussetzt. 78] Wir würden für unsere Hss. also folgende Tabelle erhalten : X | X 1 Digitized by LjOOQie 23 II. A u a 1 y s e. Eine Analyse des 6. d’A., die aber, wie schon oben er- wähnt (cf. No. 2) allzu knapp gehalten ist und auch verschiedene Auslassungen und Ungenauigkeiten aufweist, nebst einigen Bruchstücken von zusammen nur 69 Versen aus der Hs. B giebt Paulin Paris, dem nur diese eine der 4 Hss. bekannt war, in der „Histoire litteraire“ t. XXII (1852) p. 498 — 501. Ich lasse hier darum eine ausführlichere Inhaltsangabe folgen, indem ich dabei die Hs. A. zu Grunde lege, die, wie wir aus vorausgehender Untersuchung ersehen können, die dem Sinne nach beste Redaction bietet. Die Abweichungen der 3 anderen Hss. werde ich in den Anmerkungen anführen. — 79] A 240c 1; B 156dl; C 152b 1; D 176a 1. Graf Aymeri weilt zum Osterfeste mit seiner Gemahlin Ermengart in Nerbone. Hochbetagt gedenkt er auch sein eignes Land als Lehen zu vergeben. „Aus ihrer hundert- jährigen von Gott gesegneten Ehe seien ihnen 5 Töchter und 7 Söhne entsprossen, Neffen und Nichten besässen sie nicht weniger als 66“, 1 ) so redet er seine Gattin an. „Garin sei Herrscher von Anseüne, Guillaume von Orenge, Aymer „li chetis in Spanien, 2 ) Bernart in Brubant, Ernaut endlich sei Herr von Biaulande. 3 ) Alle ihre Söhne seien untergebracht, nur Guibert, der jüngste und kleinste, sei noch unbelehnt. Von ihren Enkeln seien Girart, Gui, Gautier de Termes nnd Sohier du Place'is 4 ) in Orenge, Huon in Florivile, Guibert und Guielin sowie Fouquere endlich, „Ki uers Tieb[aut] le fort roi poestis Cmquist par force le destrier arraby “ (Ä 240 c 30-31; B 157a 16 — 17; C 152b 30—31; D 176a 30—31), in Terascone. „Wem sollen wir nun unser Land überlassen?“ so fragt der greise Aymeri Ermengart um Rat. Diese glaubt es na- J ) C 152b 12 zählt nur 56, D 176a 12 sogar nur 46 neveuz. — 2 ) P. Paris sagt Hist. litt. XXII, 498 : „ Aimeri le Chetif' 1 sei Herrscher von „Tortose ou Tortelouse“, wovon in keiner unserer Hss. etwas erwähnt wird. 3 ) Ernaut de Biaulande ist eine Verwechselung mit Hernaut de Gi- ronde, wie er sonst in G. d’A. immer genannt wird. H. de B. gilt sonst als Vater Aymeris de Narbonne. 4 ) B 157a 11: Soihier du Placeis ; C 152 b 25: Soef del Plant eis; D 176 a 25: Soief do Plesets, — Digitized by Google 24 türlich Guibelin *) zusprechen zu müssen. Doch Aymeri wider- setzt sich energisch diesem Vorschläge, da er Nerbone seinem „filluel“, 2 ) dem Sohne des mächtigen Herzogs Tierri, zuge- dacht habe, der ihm als Kind zur Erziehung anvertraut und in der h. Taufe mit seinem Namen Aymeri belegt worden sei. Denn, fährt er fort: „De ßllolage neent ne li promis. A lui otroi Nerbone et le pa'is Dusqu’ ä Bordiaux et dusqu’ ä Motit- Cenis, .1111. citez et chastiaux .xxxvi.“ (A 240d 6 — 9; B 157a 43— b2; C 152c 21— 24; D 176b 24— 27). Die Contesse höchst erstaunt über ihres Gatten sonder- baren Vorsatz glaubt, falls er ihn verwirkliche, Gewaltthaten von seiten Guibelins gegen den jungen Aymeri erwarten zu müssen. Doch der Graf tritt dieser Befürchtung mit der scharfen Drohung entgegen, Guibelin des Landes zu verweisen, wenn er sich seinem Willen widersetzen würde. „Ihm habe er eine mächtige Herrschaft zugedacht : die lOOtürmige Stadt des Heidenkönigs Judas, Andrenas, mit ihren 100 Marmor- palästen. Die solle sich Guibelin erwerben und mit ihr die Hand der bis an’s Rote Meer wegen ihrer Schönheit gepriesenen Königstochter Augalete“. (A 240 d 49; B 157b 42; C 152d 19; D 176c 27.) 80] Als die Gräfin eben ihre Vorstellungen, Guibert doch nicht einer solchen augenscheinlichen Gefahr unter dem wilden Heidenvolke auszusetzen, geendet hat, betritt dieser mit einer Schar von 1000 Rittern den Saal. Soeben ist er zurückgekehrt von einem Kriegszuge gegen die Sarazenen in Spanien, deren starke Stadt Tudele sie bezwangen, grosse Beute an Herden und unzähliche Kriegsgefangene befinden sich in seinem Gefolge, von seinem Vater wird er mit heissen Segenswünschen be- willkommt. „Dir gebührt grosser Reichtum und die Herr- schaft über Länder und Marken,“ so redet dieser ihn an, „und es wird dir beides werden „se diex me beneie“. Guibert lässt sich aber, als er auf sein Befragen den Namen des Erben von Nerbone vernimmt, in seinem Zorne soweit hinreissen, seinen greisen Vater zu schmähen, und Aymeri droht ihn zu verstossen, falls er sich fürder widerspenstig zeige. Doch Guibelin dadurch in nur noch grössere Wut versetzt, höhnt weiter, indem er sich an seine Barone mit folgenden Worten ') Guibelin Diminutiv v. Guibert. *) Die hierauf bezügliche Stelle in der Hist. litt. p. 498: „Cest ä son filleul Aimeri, qu’il reserve son heritage“ bleibt ohne eine nähere Erklärung, wie Aymeri zu diesem Patenkinde gekommen ist, unklar. Digitized by v^ooQie wendet: „Oez baron, ee dist Guibers li ber, Comme mes peres me veult desheriter ! A .i. estrange veult sa terre donner, Et si me donne Andrenas sor la mer, Ou K[ar]l[e]m[aine] n’osa onques aler. Viex est mes peres, si a son tams use, Mien escient .viii. xx . ') anz a passez. De son palais ne se puet remuer, Sus .iiii. coutes le couuient reposer Et oreilliers de soie et de cendel Et couuertoirs qui sont gris et fourre. Tant de coussins couuient sus lui doubler, Nes porroit on de .xx. mars acheter. Par deuant lui fet sa messe chanter, Et puis se fet ä mengier aporter Grues etjantes et paons empeurez; Tant en mengue, qu’il a cras les costez, Tout pour son euer qu'il velt resuigourer. Adont, si dist, ie te voudrai mener Tel, que paiens ne pwront endurer.“ (A 204fl6 — 35; B 157 d 27— 158a 2; C 153b 3—23; D 177a 20— 177b 1) Aymeri verwünscht ihn aufs heftigste ob solcher Reden und verheisst ihm das Gegenteil beweisen zu wollen : Er selbst werde sich bewaffnen und gegen die Heiden mit ausziehen; seine wackern Söhne und Enkel werde er zu diesem Zuge entbieten, die ihn mit einer Heeresmacht von 50 000 2 ) Mann unterstützen würden. Bevor 4 Monate verstrichen wären, würde man auf dem Marsche nach Andrenas sein, nach deren Einnahme Guibert die schöne Augalete heiraten und mit ihr gekrönt werden solle. Guibert durch diese Zusage völlig zufrieden gestellt und mit seinem Vater wieder ausgesöhnt, verzichtet nun freiwillig auf die Erbschaft von Nerbone zu Gunsten des jungen Aymeri, und der alte Aymeri dankt ihm dafür. (A 241a 22; B 158 a 42; C 153c 19; D 177c 1.) — 81] Über die Nachgiebigkeit seines Sohnes höchst erfreut, übergiebt er darauf Nerbone seinem Patenkinde mit der Mah- nung, es gegen die Heiden wohl zu schützen; mit eigener Hand erteilt er ihm den Ritterschlag, damit auch er an dem Kriegszuge nach Spanien teilnehme; es finden dann auf einer Wiese Ritterspiele statt. Bei dieser „quintaine“ legt der „filleul“ Aymeriet eine solche Kraft und Gewandtheit an den Tag, dass Aymeri, ganz entzückt davon, seine Barone um sich versammelt und ihnen als den wahren Namen von Aymeriets Vater den Karls des Grossen verrät. Alle kehren nach dem Palaste zurück, Aymeri nochmals Guibert die baldige Er- füllung seines gegebenen Versprechens verheissend. (A 241 c 7; B 158dl; C 154a 20; D 178a 20.) ') C 153b 9 n. D 177a 26 lesen, vii .xx. 2 ) D 177b 17 : 60 000. Digitized by LjOOQie 26 82] Im Palaste angelangt, giebt Aymeri seinen Boten Perron und Elinant den Auftrag, Bernart von Brabant mit 10 000 Waffenträgern nach Nerbone zu entbieten, sowie Guielin, Bertrant, Gautier de Termes, Guichart, Huon de Florivile und Guibert de Terascone gleichfalls zu benachrichtigen. Guinant und Achart sendet er zu Ernaut, „au felon rous“, nach Gironde, um von ihm eine Hülfstruppe von 15 000 1 ) wohl- ausgerüsteten Kriegern zu fordern. Noch selbigen Tages sind die Boten zu Ross zu Ernaut geeilt und haben ihm den Auf- trag überbracht, dem dieser gern zu folgen verspricht. Seinen Seneschall Helye und Guinemant sendet der Graf zu gleichem Zwecke nach Anseüne. (A 241 d 29; B 159a 32; C 154c 5; D 178c 21.) 83] Unterdessen beruft Aymeri im Palaste die Barone zu sich, um ihnen zu verkünden, dass man vergessen habe, Guillaume von Orenge zu benachrichtigen; „ie meismes irai por le baron *, ruft er aus. Joffroi von Anjou erhält den Befehl, zu Buevon de Commarchis zu eilen, während Guibert Aymer Je chetif“ aufsuchen soll. Guibert widerstrebt anfangs diesem Aufträge, da er seinen Bruder nicht zu finden wisse, fügt sich aber schliesslich dem ausdrücklichen Befehle seines Vaters. Dieser selbst bricht am nächsten Morgen nach Orenge und kurz nach ihm Guibert nach Spanien auf. Letzterer findet Aymer 15 2 ) Meilen seitwärts von Balesguer, als er eben von einem siegreichen Zuge gegen die Sarazenen zurückkommt, bei dem er einen König gestürzt und 3000 Heiden vernichtet hat. Nach herzlicher Begrüssung ziehen sie zusammen nach Nerbone, wo Ermengart, durch einen Boten von Aymers Rück- kehr benachrichtigt, ihm entgegeneilt und ihn mit zärtlicher Umarmung empfängt. (A 241 e 23; B 159 b 35; C 154d9; D 178 d 33.) 84] Mittlerweile ist der alte Aymeri auch in Orenge in Guillaumes Palaste angelangt, wo er von seinem Sohne in freundlicher Weise, aber besonders herzlich von Guiborc, dessen Gemahlin, aufgenommen wird. Guillaume ist unwillig darüber, dass sich sein Vater bei seinem hohen Alter noch einer so anstrengenden Reise unterzogen hat. Er fragt ihn nach seinem Begehr. Aymeri unterrichtet ihn von seinen Plänen. Guillaume verspricht seinen Beistand. Bereits am nächstfolgenden Tage steht ihm ein Heer von 20 000 3 ) Mann zur Verfügung. Guiborc ') D 178b 8: .x. mil. 2 ) B 159 b 22 zählt 16 Meilen. s ) C 155a 31; D 179b 24: .X. M. Digitized by Google 27 erteilt ihnen den Segen. Unter Guillaumes und Aymeris Führung ziehen sie über Arle, wo sie den Rhonefluss passieren, nachNerbone. (A 241 f 43; B 159d20; C 155a 36; D 179b 29.) 85] So waren schon 3 Söhne Aymeris versammelt. Am an- dern Morgen rückt auch Bernart von Brubant mit seinen Scharen heran. Als Aymeri sie mit seiner Gattin und Guillaume von den Fenstern des Palastes aus bemerkt, ruft er hoffnungs- voll aus: „Mar i entrerent Sarrazin et Perssant. Se les trouons sor Andrenas la grant, Maint en ferons couroucie et dolant, Toute la terre penrons mien esc'ient, Si la donrai Guibelin mon enfant Et Augalete o le cors auenant. S’il plaist ä dien le pere roiamant, Bois sera de la terre.“ (A 242 a 6 — 13; B 159 d 36—43; C 155b 7— 14; D 179c 5— 12.) Ein ähnlicher Herzenserguss fliesst von seinen Lippen, als er Ernaut „o sa riche compaigne “ Nerbone zueilen sieht. Auch Garin d’Anseüne, Guibert de Terascone, Gautier de Termes, Sohier del Plantelz, 1 ) Huon de Florivile und Fouquere zeigen sich in der Ferne; da drängt es den Grafen, seinen Vasallen entgegenzureiten. Er begrüsst sie alle herzlichst und geleitet sie nach dem Palaste. Die Truppen schlagen ihre Zelte vor den Stadtmauern auf. Aymeri versammelt dann alle seine Verwandten und Barone um sich, und Ermengart setzt ihnen nochmals die Pläne ihres Gemahls auseinander. Sie ver- sprechen einstimmig: „m li faudrons en trestout nostre ae". Aymeri verheisst ihnen dankend guten Sold für ihre Dienste. Die „ tresors “ werden herbeigebracht und unter allgemeinem Jubel geht der Tag zur Neige. (A 242b 23; B 160b 19; G 155 c 35; D 180 a 3.) 86] Bei Anbruch des nächsten Morgens rüsten sich die Heere zum Autbruch. Ermengart segnet sie ; 30 000 Mann stark ziehen sie gegen Andrenas. Nach 8tägigem Marsche erreichen sie Balesguer, eine mächtige, wohlbefestigte Stadt Spaniens, die auf einem Felsen gelegen auf 2 Seiten von Flüssen, Far- faigne 2 ) und Verbuant, 3 ) auf natürliche Weise gesichert ist. Keine Brücke führt hinüber. Der Unkundige sucht vergeblich nach einer Furt. In Farfaigne steht ein fester Turm zum Schutze der Stadt, die niemand ohne Einbusse an Geld oder >) B 160a 26: Soihier; C 155b 42; D 179d 4: Soef. cf. No. 79 Anm. 4 die andern Varianten dieses Namens. 2 ) Varianten: Fafanje, Falvaine, Farfaine und Farvainne. *) Varianten: Briant, Bruiant, Brulant, Verbriant, Verbrie, Ver- bruiant, Verbue. Digitized by Google 28 Leben betreten kann. (A 242c 1; B 160c 7; C 155d 22 ; D 180 a 35.) ] ) 87] Die Heiden, die den Turm besetzt haben, erfasst Schrecken, als sie die Feinde, mit funkelnden Waffen angethan, gegen Balesguer heranrücken sehen. Im Nu sind der König Bauduc und sein Volk gerüstet; zu Ross stürmen sie durch die Ebene den Franzosen entgegen. Aymeri erhält davon Kunde. Eilig rüstet er sich, entbietet 3 seiner Söhne zu sich und spornt sie zur Tapferkeit an. Dann fährt er fort : , Vo peres sui, tenir me deuez chier, Et si sui uiex, ice ne puis noier. Fiera ne fui en fort estor plenier, Tele heure vi que bien mi soi aidier. Sor sarrazins me vueil hui essaier, Sauoir, se puis or mes armes baillier; .1. petit dm ä vorn trestouz requier, Que sor paiens fiere le cop premier.“ (A 242c 53 — d 7 ; B 160dl5 — 22; C 156a 30— 37; D 180c 13-20.) Mit Freuden gewährt ihm Guillaume die Bitte. Aymeri reitet gegen einen Heiden los und schleudert ihn vom Rosse tot zu Boden. Auf seinen Schlachtruf „Nerbone“ hin setzt sich das ganze Franzosenheer gegen die Sarazenen in Be- wegung. Es entsteht ein blutiges Handgemenge mit bedeu- tenden Verlusten auf heidnischer Seite. {A 242 d 36; B 161a 7; C 156b 22; D 180d 12.) 88] Mitten in dem Schlachtgetümmel tritt Corsuble, „.i. roy desmesuri“ , Guillaume entgegen und fordert ihn mit überlegener Miene zum Zweikampfe heraus. Guillaume erteilt ihm einen so wuchtigen Schlag, dass er gespaltenen Hauptes zusammen- bricht; Corsubles vielgepriesenes Ross übergiebt er seinem Neffen Bertrant mit der Aufforderung, es statt des seinen zu besteigen. Da sehen sich beide rings von Feinden umzingelt; Guillaume jedoch vertraut auf seine Kraft und ruft Bertrant zu: . . . ie et vous, se lez moi vous tenez, Desseuerrons la presse.“ (A 242 e 25 ; B 161b 5; C 156c 17; D 181a 15.) 89] Während diese beiden sich mit vereinten Kräften aus der Feindesmitte herausschlagen, kommen auf der andern Seite des Schlachtfeldes Aymeri, 2 ) Aymer und Ernaut in arge Be- drängnis im Kampfe gegen Bauduc und sein Gefolge. Auf beiden Seiten sind bereits viele Kämpfer gefallen. Da kommen Guillaume J ) Abschnitt 81 — 86 sind in der Hist. litt. XXII, 500 zusammenge- fasst in den wenigen Worten: „ L’armee , bientot reunie de toutes parts, entre en Bspagne; les premiers engagements ont licu sous les murs de Balesguez, aujourd’hui Balaguer , en Catalogne.“ Von dem „ adoube - ment “ und der Belehnung Aymeriets mit Nerbone wird nichts berichtet. 2 ) D erwähnt den alten Aymeri nicht. Digitized by Google 29 und Bertrant den Ihren zu Hülfe. Auch Aymeri'et ist her- beigeeilt und drängt sich zum Zweikampfe mit Bauduc vor. Obwohl ihn sein Pate davor warnt, schlägt er doch im Ver- trauen auf seine Kraft auf den Sarazenenfürsten los. Er spaltet ihm zwar den Schild und zerhaut ihm die Rüstung, doch zu töten vermag er ihn nicht. Aymeri, Aymer und Ernaut beeilen sich dem ^fi lleiil “ beizustehen, der Heide entkommt jedoch aus dem Knäuel durch die Furt nach dem jenseitigen Ufer der Farfaigne. Aymeri'et ist seinem Gegner in einer gewissen Entfernung gefolgt. Er erreicht den Fluss, kann aber die Furt nicht finden. Mutig stürzt er sich in den Strom, dessen Wellen über seinem Haupte zusammenschlagen. Aymeri ruft, da er sein Patenkind in Gefahr glaubt, Gott um Schutz für ihn an. Glücklich erreicht dieser das Land, nachdem er sich von einem gewaltigen Schlage Bauducs, der ihm fast die Sinne raubte, wieder erholt hat. Mit kräftiger Hand versetzt er Bauduc einen wuchtigen Schwerthieb, sodass dieser die Flucht ergreift. Aymeri'et, von der Verfolgung des Feindes nicht ab- lassend, holt ihn endlich ein, da ihm das Ross unterm Leibe zusammengebrochen ist. Schon ist er im Begriff, dem Heiden das Haupt vom Rumpfe zu trennen , als Bauduc um Schonung fleht und sich auf Gnade und Ungnade ergiebt. Aymeri'et lässt ihn mit auf sein Pferd Marquant steigen, um mit ihm zum Franzosenheere zurückzukehreu. Am Flusse angelangt, zwingt er ihn unter Drohungen, ihm die Furt zu zeigen. So kommen sie beide wohlbehalten vor Aymeris Zelte an, wohin die Barone und Grafen zusammenströmen, um den gefangenen Heidenkönig anzustaunen. (A 243a 44; B 161 d 42; C 157b 2 ; D 181 d 23.) 1 ) 90] Aymeri sichert Bauduc das Leben zu und verspricht ihm sogar sein Land zu lassen oder freien Abzug mit den Seinen und 30 seiner besten Freunde zu gewähren, wenn er sich zum Christentume bekehre und die Übergabe von Balesguer er- mögliche. Bauduc entzückt von Aymeris Grossmut rät ihm, um in die Stadt dringen zu können, zu folgender List: „Faites en l’ost .C. cheualiers monier Ft vos buisines gresloier et soner ! Tres par deuant les pors de Balesguer Fetes ./. feu et .i. re alumer, Si me fetes (!) ä laflame mener Et tout nuspiez sans chauce et sanz souler! 2 ) Je ai .iij. filz qui tuit sont bacheier De ma >) Abschnitt 87 — 89 ist in der Hist. litt. XXII, 500 in den paar Worten: „Dans une de ees actions le roi Baudus tombe aux mains des chretiens“ ausgedrttckt. Der Zweikampf Guillaumes mit Corsuble ist gar nicht erwähnt. 2 ) C 157 b 40 liest hier: „Nu et nuz pie, sanz chauce, sanz soller“ ; D 182 a 24: „Nuz piez, an langes, sanz chauce et sanz soler“. — Digitized by Google 30 motdlier qui molt fet ä loer. Desus les murs uenront por esgarder; Et cuidiez-voits, qu’il puissent endurer, Que deuant eus me uoient tormenter? — Nenil uoir, sire, ce vorn di sanz douter; Tost votis feront la eite deliurer Et taut ice que saurez demander, Tont por mon cors garantir et tensser “ (A 243b 25 —39; B 162a 32 — b 2; C 157b 35— c 4; D 182a 19— 33.) Aymeri befolgt diesen Vorschlag und erreicht in der That, dass, ihm die Thore der Stadt geöffnet werden. Der König Bauduc jedoch verlässt, anstatt sich taufen zu lassen, mit den Seinen Balesguer, um sich mit Judas, dem Könige von Andrenas, zu vereinigen. ')Die Franzosen besetzen die Stadt, metzeln 1000 Heiden nieder, während Aymeri mit seinen Baronen in den Palast gestiegen ist. Traurigen Herzens verlässt Bauduc sein Land; vergebens rufen in der Stadt die ihrem Unter- gänge entgegensehenden Heiden ihn um Beistand an. Er eilt davon, bis er nach 8tägigem Marsche zu seinem Vetter Bar- baquant „ä la röche Arsis“ gelangt. (A 243c 34; B 162c 6; C 157d 6; D 182c 5.) 91] Tief betrübt erzählt er ihm sein Missgeschick und fordert ihn auf, nach Andrenas vorauszueilen und Judas die Unglücks- botschaft zu überbringen. Der König Judas, traurig über die Kunde vom Sturze seines Neffen, schwört Aymeri ewiges Verderben zu. Auf Barbaquants Bitte eilt er Bauduc ent- gegen und nimmt ihn und die Seinen nach herzlicher Be- grüssung freundlichst in seine Stadt auf; Aymeri aber und dessen ganzem Geschlechte verheisst er Rache. In der Stadt angekommen lassen sich die Fürsten unter Je pin verdoiant“ nieder; 4 „puceles“, Soline, Lunete, 2 ) Fauke, oder auch Faukete genannt, und Augalete, Ja fille l’amirant “ , er- scheinen. Die letztgenannte befragt Bauduc, ob Aymeri mit seinen Söhnen und andern Verwandten gegen Andrenas heran- rücken werde. Bauduc bejaht es und verkündet ihr zugleich Aymeris Absicht, sie mit seinem Sohne Guibert zu vermählen. P. Paris lässt Bauduc sagen (XXII, 500): „ Conduisez-moi en chemise sous les murs de la ville.“ Hs. B, die ihm nur bekannt war, berichtet nichts davon. Ebenso ist das folgende: „Faites mine de vouloir me trancher la tete; aussitöt des messagers vous arriveront de la part de ma femme Galiene et de mes fils . . zu frei gestaltet worden. ') Über das Folgende von hier an bis incl. Abschnitt 92 ist in der Hist. litt, nichts erzählt als : Maitres de Balesguez, les Frangais poursuivent leur route jusqu } ä Andrenas. P. Paris fährt daun fort : La se trouvaient reumies toutes les forces des mecreants etc. Darauf werden die Kämpfe unter den Mauern von Andrenas erzählt, (cf. No. 93 ff.) 2 ) C 158 a 11 wird sie Luce genannt, während sie v. 37 dann wie in den andern Hss. Lunete heisst. Digitized by Google 31 Die „puceles“ eilen, als sie dies gehört, scherzend davon; an dem Garten Corsubles machen sie Halt ; da erzählt ihnen So- line folgenden Traum: „A nuit soniai .i. son ge mo/t pesant, Que de Nerbfone] uenoit faux uolant; . VII. fauconcel le venoient siuant; .1. en i ot merueillous et poissant, Augalete premit parmi les flans, Une flourete li metoit el deuant.“ (A 243 d 53— e5; B 162d34— 39; C 158a 26-31; D 182d 39— 183a 5.) Faukete ') weiss diesen Traum sogleich richtig zu deuten. Sie sagt : . . . „ie sai ueraiemeut, Que dest Guibers, filz Ay[meri] le franc, Qui Ja penra ä moullier uoirement.“ „Por celi songe, dont tu m’as fei ioiant, Tien, ie te doim, le palazin liertrant, Lunete aura Guielin le sachant, Faukete aura Girant le com- batant; Bien vous ai mariees.“ (A 243e 6 — 13; B 162d 40 — 162*a [fehlt; cf. No. 7 Anm.]; C 158a 32—39; D 183a 6-13.) 92] Am nächsten Morgen entbietet Judas seine Boten Galerien „l’aufage“, Athenas und andere zu sich; er schwört bei Ma- homet „et dymage u Aymeris Geschlechte den Untergang und vergeudet die Zeit mit eitlen Prahlereien. Unterdessen nähern sich die Franzosen eilends der Stadt Andrenas. Schon sind sie fast bis an den Fluss herangekommen, da beruft Aymeri eine Versammlung seiner Barone, um mit ihnen zu beraten, wen man aussenden solle, die grossen Viehherden auf den Wiesen vor der Stadt zu erbeuten und dem Heere zuzufiihren. Aymeriet erbietet sich keck dazu; Guibert schmäht ihn des- halb. — Das reizt den Zorn des alten Aymeri, der Guibert antwortet: „Cuiuert, . . . diex te doint encombrier ; Vieus tu dont ci ä mon filluel tencier? Ne fu il filz au duc Tierri le fiet' Qui la moitie de France ot ä bailiier. Son home estes, ce ne poez rüder, Droit li ferez par le cors SfaintJ Richier.“ (A 243 f 15—20; B 162*b 14— 19; C 158b 44— c 4; D 183b 31— 36.) Der Streit wird geschlichtet; beide werden dazu bestimmt, mit einer Schar von 100 Mann die Beute zu machen; zugleich warnt Aymeri Guibert vor Gewaltthätigkeiten gegen Aymeriet. Guibert verkündet seinen Freunden unter Thränen die ihm angethane Demütigung und ruft aus: „Quens Ay[meris] nous maine malement Por son filluel que il par aime tant.“ (A 243f 39—40; B 162*b38-39; C 158c 23— 24; D 183c 16— 17.) Er teilt ihnen den ihm gewordenen Befehl mit, den sie dann unter blutigen Kämpfen ausführen. Schon treiben sie das Vieh J ) C 158a 32 und D 183 aß deutet Agaiete den Traum; beide Hss. lesen infolgedessen dann: Qui (D: Si) me prendra Jedenfalls ist diese Lesart die bessere wegen des unvermeidlichen aber ganz unver- mittelten Redewechsels in A B. — Digitized by Google .32 ihrem Heere zu, als sie plötzlich aus einem Hinterhalte von einem heidnischen Riesenvolke überfallen werden und ihrer Beute verlustig gehen. Gui, Bertrant, Gautier de Termes und Girart geraten sogar in Gefangenschaft. Aymeri, davon be- nachrichtigt, befreit sie mit Hülfe seiner Söhne und eines •Trupps von 500 Mann, jagt die Riesen in die Flucht und ge- winnt die Beute zurück. Kaum haben sie diese zu ihren Zelten gebracht und ver- teilt, als ihnen schon wieder neue in die Hände läuft. Aymeri erblickt eine von 10 ’) „marcheans“ geführte Handelskaravane, die auf 100 Lasttieren Gold und Silber nach Andrenas führen wollen. Aymer, „qui onc n’ama Sarrazins ne Kscler “, allen voran, stürmt auf sie los; die Kaufleute werden getötet; ihre Habe wird nach den Zelten gebracht und verteilt. (A 244b 51 ; B 163a 24; C 159b 11; D 184b 25.) 93] Des Nachts rücken die Franzosen so weit gegen die feind- liche Stadt vor, dass sie dieselbe in der Frühe auf einem Felsen vor sich liegen sehen. Aymeri rühmt sie als eine starke Festung, deren Fall nur nach Einnahme des davor errichteten Turmes möglich sei. Judas, der die Feinde mit ihren weithin fun- kelnden Rüstungen heranmarschieren sieht, ruft sein Volk zu den Waffen und legt ihnen die Verteidigung der Stadt warm an’s Herz. Aymeri sendet Ernaut und Aymer unter Führung Guillaumes, auf den er sein höchstes Vertrauen setzt, voraus, um das vorliegende Gelände zu rekognoscieren, den Fluss zu überschreiten und die Furt zu verteidigen. (A 244dll; B 163c 4; C 159c 37; D 184d 19.) 94] Guillaume verbirgt sich mit 3000 Mann in einem Obst- garten jenseits des Flusses. Nachdem er seine Rüstung in Ordnung gebracht hat, steigt er auf eine Anhöhe und fordert die Heiden zum Kampfe heraus. Die Damen im Palaste fragen sich neugierig nach dem Namen des mit so glänzenden Waften ausgerüsteten Christen. Bauduc belehrt sie : „Ce est Guill [aurnes] , ie l’ai bien auise, Cil au court nes au corage adure, Filz Ay[meri], le viel chenu barbe Qui tant paiens a vaincu et mate; Que ie le oi el fort estour champe Souz Balague, l’amirable eite, Font Franc [ois] m’ont ä tort desherite.“ (A 244d 34 — 40; B 163c 27—33; C 159d 19—25; D 185a 7—13.) — Augalete gedenkt daran anknüpfend Guiberts. Inzwischen lässt Aymeri seine Belagerungsmaschinen unter dem Turme Argoline aufstellen. Durch vier geschlagene 0 B 163a 14 liest allein: „.xx. marcheans.“ Digitized by Google 83 Breschen dringt eine grosse Schar ein. König Margot, der sich mit 1000 Heiden ihnen entgegenstellt, wird nach heftigem Kampfe mit grossen Verlusten auf seiten der Franzosen über- wältigt und getötet. Argoline wird genommen. In einem Ge- wölbe fiuden sie die aus Gold und Silber gefertigten Figuren Mahomets und Tervagants, die sie zerstückeln und unterein- ander verteilen. Fünf 1 ) aus dem Gemetzel entronnene Sara- zenen eilen zu Judas, der, als er die Nachricht von der Ein- nahme des Turmes und der Zertrümmerung der heidnischen Götterbilder erhält, fast in Verzweiflung gerät. Nur mit Mühe vermögen ihn die Boten davon abzuhalten, dass er Hand an sich legt. (A 244 f 15; B 164 a 28; C 160b 21; D 185c 18.) 95] Grosse Freude herrscht in Andrenas, als bei Anbruch des nächsten Tages König Malagu mit einer starken Heeres- macht den Bedrängten zu Hülfe kommt. Judas erzählt ihm von Guillaumes Herausforderung, die Malagu ungesäumt an- nimmt. Noch selbigen Tages verheisst er ihnen, „le chief de lui . . . aporter“, und Augalete verspricht ihm ihre „tresors“ dafür. Bauduc will ihm beistehen, was Malagu billigt. Beide rüsten sich und sprengen zum Thore hinaus Guillaume ent- gegen. Dieser ruft, als er sie von Ferne erblickt, Gott um Schutz an, besteigt schnell sein Ross und stürmt auf sie los. Malagu sinkt tätlich getroffen zu Boden. Bauduc wendet sich zur Flucht. Die Heiden in der Stadt fordern ihn, als sie ihn bemerken, unter Verwünschungen auf, den Tod Malagus zu rächen. Beschämt kehrt er um. Es folgt ein Zweikampf, in dem Bauduc nahe daran ist zu unterliegen; doch entzieht er sich seinem Verderben durch die Flucht. Guillaume folgt ihm, Bauducs Ross strauchelt und fällt ; er flieht „Um eslaissiis“ zu Fuss weiter. Der Graf ergreift das Ross und schickt sich an, zu den Seinen zurückzukehren. Da stellen sich ihm 5 Heiden in den Weg. Dem ersten schlägt er das Haupt ab, die an- dern vier bringt er kämpfend bis an die Furt, wo die Seinen in einem Hinterhalte liegen. Diese dringen mit ihren Scharen vor, während von feindlicher Seite Judas mit 100 000 2 ) Mann entgegenrückt. Die grosse Schlacht beginnt (A 245 c 19; B 165a 15; C 161b 23; D 186c 36.) 8 ) !) C 160b 1 ff.; D 185b 36 ff. erzählen nur von 1 Sarazenen. 2 ) C 161b 20; D 186c 33 zählen .X. mile. s ) Die Einnahme des Turmes von Andrenas ist in der Hist. litt, nicht erzählt. Absch. 91— 95 ist (p. 500) zusammengefasst in den Worten: Dans un de ces combats, Guillaume, apres avoir fait merveilles, parvient ä yrand’peine ä se degager du milieu d’une troupe nombreuse.“ 3 Digitized by Google 34 96] Judas kämpft mit Guillaume, wird besiegt und wäre getötet worden, wenn ihn nicht im letzten Augenblicke 70 Heiden aus seiner Bedrängnis befreit hätten. Sie alle wenden sich zur Flucht, der König an ihrer Spitze. Seinen Leuten ruft er zu: ... . „cheuauchies aitant! S’ä Andrenas estoie el palais grant, N’en isteroie iamte en mon uiuant.“ (A 245 c 42 — 44; B 165a 38— 40; C 161c 6— 8; D 186d22— 24.) In Andrenas angelangt, schliessen sie die Thore hinter sich, während sich noch 500 x ) Sarazenen ausserhalb der Stadt befinden, die den Feinden zum Opfer fallen. Mit Beute beladen kehren die Franzosen zu ihren Zelten zurück. Aymeri empfängt Guillaume mit den Worten: „Sire G [uillaumes] , com esploitie auee? Ou sont li turc que vom nous amenez? Se uom auez prison, si le rendez!“ (A 245 d 8 — 10; B 165b 12— 14; C 161c 25— 27; D 187a 3— 5.) Guillaume, wütend ob dieser höhnischen Worte, antwortet seinem Vater in derselben Art und Weise. Der alte Aymeri, der sich stolz seiner Thaten rühmt, lässt sich dadurch zu heftigen Ausdrücken gegen seinen Sohn verleiten. Dieser lenkt ein, doch Aymeri, in seinem Ehrgefühl tief gekränkt, verspricht, schon am folgenden Morgen eine Probe seines Mutes zu geben. Guillaume erwidert noch: . . . „or verrons que ferez; Fox est qui se uante und der Streit ist beigelegt. (A 245 d 42; B 165c 2; C 161d 13 ; D 187 a 37.) 97] Die Nacht bricht herein; jeder begiebt sich in seine „herbergerie“ . Nur Aymeri rüstet sich und verlässt zu Ross bei hellem Mondscheine das Lager. Von Ferne erblickt er Brulant und Achinart, „die mit einer Abteilung Sarazenen Andrenas gegen einen Überfall schützen wollen. Von ihnen ungesehen gelangt er durch die Furt nach dem andern Fluss- ufer. Er reitet die Anhöhe hinauf, „si com il ot Guill[aume] couuenant“. Da beginnt es zu tagen. Als Aymeri sein Horn zweimal laut ertönen lässt, rufen Achinart und Brulant aus: „Ce sont Franc [ois] qui sonnent V olifant; Qa est uenus par le mien esciant Quem Ay[meris] o le grenon ferrant Et si ami et si apar- tenant ..." (A 245e 25—28 ; B 165 c 38—41 ; C 162a 33—36 ; D 187 b 37 — c 1) und ergreifen die Flucht. Aymeri fordert die Feinde zum Kampfe heraus. Judas tadelt die Furcht seiner Barone vor einem Franzosen und fordert sie auf, ihm entgegeuzutreten. Endlich erbietet sich Gaben, mit Baufume, 2 ) Abalafre, Bruiant und Magaris dazu. *) C 161 c 12 und D 186d 28 zählen .c. 2 ) C nennt sie 162 b 20 — 21: Agolafre, Braimant und Margariz. D hat 187 c 23 — 24 dieselben Lesarten wie C bis auf „Briemanz“ statt „ Braimant Digitized by Google 35 Sie bewaffnen sich und reiten gegen Aymeri los, der, als er sie gewahrt, zu Gott fleht: „Garissies mot de mort et de tor- ment.“ *) Der Kampf entspinnt sich. Galien bleibt als erster von ihnen auf dem Schlachtfelde. Bruiant, der Galien nicht für tot hält, feuert ihn vergebens an, sein Ross von neuem zu besteigen. Auch er und die 3 übrigen 2 ) fallen. (A 246a 48; B 166b 35; C 163a 19; D 188b 22.) 98] Mit gespaltenem Schilde, das Panzerhemd „desrout et desmaillie“, ist Aymeri auf dem Rückwege zu den französischen Zelten begriffen, als er an der Furt von einer 100 3 ) Mann starken Heidenschar überfallen wird. Sein Pferd wird ihm unterm Leibe getötet. Immer dichter wird der Knäuel. Wacker verteidigt er sich nach allen Seiten hin. Sein Schwert ist ihm bereits zerbrochen, sogar sein Horn ist in Stücke ge- gangen. Waffenlos sucht er nach einem Ausgange aus der Feindesmitte. Inbrünstig bittet er Gott um Hülfe. Noch er- schlägt er 4 Sarazenen mit den Steigbügeln, die er aus dem Sattel gezogen. Da befreit ihn Bauduc aus seiner bedrängten Lage. Mit lauter Stimme rät er Aymeri, sich gefangen zu geben, und versichert ihn seines Lebens aus Dankbarkeit für die ihm bei der Belagerung von Balesguer erwiesenen Wohl- thaten. Der Graf ergiebt, sich, und unter Corsolts Schutze wird er nach Andrenas geleitet. Judas äussert grosse Freude, als er von Corsolt den Namen des Gefangenen vernimmt. Höhnisch redet er ihn an: „Ay[meriJ sire, comment vous contenez?“ „Molt richement“, antwortet jener und fügt hinzu: „Et comme eil cui est ceste cites?“ Judas entgegnet gereizt: . . . „Molt petit i aiiez, Je vom ferai iä les membres coper, Ardoir en feu et en poudre uenter.“ (A 246 c 30 — 35; B 166 d 35 — 40; C 163c 28 — 33; D 188d 36 — 189 a 1.) Auf Bauducs Fürsprache hin, der ihn vom Tode zu retten gedenkt, wird er einstweilen in einen Turm, 4 ) dessen Pracht gerühmt wird, in Gewahrsam gebracht. (A 246c 43; B 167a 4; C 163c 41; D 189a 9.) 99] Hier findet er die schöne Augalete mit ihren Jungfrauen, „qui la durent gar der,“ versammelt. Bald sind Schachbrett und Tische herbeigebracht, um den alten Grafen zu erheitern, der seine Rüstung ablegt und sich mit den „puceles“ zum Spiel niedersetzt. So verbringen sie die Stunden bis zum Abend. Da steigt in Augaletes Sinn der Gedanke auf, Aymeri ') Das Gebet Aymeris ist in C (C 162 c 6 ff.) länger als in ABD. 2 ) A und B erzählen den Tod des dritten der 5 Heiden nicht, cf. No. 17. ») C 163a 29; D 188b 32: ,M. 4 ) D 189a 9 liest: chanbre. 3* Digitized by LjOOQie 36 zu retten, um dann Guibert zum Gatten zu erhalten. Tag und Nacht sinnt sie darüber nach, wie sie ihren Plan, von dem sie auch Aymeri Mitteilung macht, ausführen könne. Er, darüber hoch erfreut, verspricht ihr zum Danke dafür seinen Sohn als Gemahl, mit dem sie gekrönt das Land ihres Vaters beherrschen solle. Augalete rät ihm, sich in dem uneinnehm- baren Turme zu verbarrikadieren, und bringt ihm Waffen herbei. Aymeri rüstet sich, verrammelt die Eingänge und hängt, „por bien auiser“, ein französisches Feldzeichen zum Fenster hinaus. Judas, durch einen Boten vom Geschehenen benachrichtigt, eilt zum Turme, den er verschlossen findet. Er bittet seine Tochter, ihm zu öffnen, doch sie spiegelt vor, in Aymeris Gewalt zu sein, der die Schlüssel in seinem Besitz habe. Wütend ruft er ihr da zu: „Vos fustes fox, ne vous quier ä celer, Quant le feistes ga dedenz osteier ; Or poez vous ueoir et esprouuer Ce que l’en seult et dir et confer •, Qu’en sa meson seult l’en tel osteier Qui en la fin le fet tost hors bouter.“ (A 246 d 51— e 3; B 167b 20 — 24; C 164a 20— 25; D 189b 30 — 35.) Aymeri, der Verwünschungen müde, die der Heidenkönig gegen ihn ausstösst, vertreibt ihn vom Turme dadurch, dass er einen gewaltigen Stein hinabgleiten lässt, der, wenn er Judas ge- troffen, ihn sicherlich getötet hätte. Als Judas einsieht, dass er nichts zu erreichen vermag, legt er sich zur Ruhe nieder. Doch der Schlaf meidet ihn; unter Wehklagen bringt er die Nacht hin. (A 246e 14; B 167b 35; C 164a 37; D 189c 7.) 1 ) 100] Im Heere der Franzosen sucht man vergebens nach Aymeri. Niemand vermag Auskunft über seinen Verbleib zu geben. Aymer rüstet sich und reitet in Galopp nach Andrenas hin. Unterwegs findet er seines Vaters Ross, darauf sein zer- brochenes Horn ; und schon hält er ihn für tot. Von Schmerz und Rachbegier erfüllt, eilt er die Anhöhe hinauf und fordert mit vernehmlicher Stimme die Feinde zum Kampfe heraus. Da auf einmal erblickt er das Feldzeichen am Tnrmfenster, und es wird ihm klar, dass Aymeri sich im Turme befindet. Flugs kehrt er zu den Zelten zurück und verkündet den Ba- ronen, was er gesehen. Sofort machen sich alle zum Sturme auf Andrenas bereit. Auch die Heiden bewaffnen sich und erwarten auf den Mauern der Stadt den heranrückenden Feind. *) Abscbn. 97 — 99 giebt P. Paris (p. 501) in (len wenigen Zeilen wieder: Le lendcmain, le bon Aimeri se fait retenir prisonnier des Sar- rasins, et ne doit la nie qu’ä l’intervention du roi Baudus et ä la trahison de la belle Gaiete ou Augalete.“ Digitized by LjOOQie 37 Von neuem tobt die blutige Schlacht. Die Franzosen nähern ihre Maschinen der Stadtmauer, und das Zerstörungswerk be- ginnt. Viele Christen werden durch Steine und andre von Feindeshand geschleuderte Wurfgeschosse getötet. Die Grafen Guillaume und Aymer feuern ihre Leute zum Angriffe an. Hier haben sie bereits, wenn auch mit grossen Verlusten, die Mauer erstiegen, während dort eine ganz bedeutende Menge durch 4 Breschen in die Stadt eingedrungen ist. In wilder Hast eilen sie zu den Thoren, um die Zugbrücken niederzu- lassen, über die dann Guillaume und seine Barone hinein- stürmen. — Als Aymeri die Seinen in der Stadt weiss, öffnet er den Eingang des Turmes und stürzt sich in das Schlachtgetümmel; Augalete hat er im Turme eingeschlossen zurück gelassen. Da erblickt er den König Bauduc, den Guillaume, Guibert und Aymer verfolgen. Mit lauter Stimme ruft er seinen Söhnen zu: . . . „ Seignor ; ne l’occ'iez, Car, s’il ne fust, mort fusse et afolez.“ (A 247a 18— 19; B 168al3 — 14; C 164d 19— 20; D 190b 9— 10.) Bauduc ergiebt sich Aymeri und verspricht, sich und die Seinen taufen zu lassen; der Graf, darüber hoch erfreut, ver- sichert ihn seines Schutzes und der Rückgabe von Balesguer. (A 247a 37; B 168a 32; C 164d40; D 190b 30.) 101] Der König von Andrenas ist mit mehr als 100 seiner Leute in einen starken Turm geflohen ; die Zugbrücken haben sie emporgezogen und dadurch eine grosse Zahl von Heiden den Franzosen preisgegeben, die mordend bis zum Turme Vordringen. Aymeri fordert Judas auf, sich zum Christentuiüe zu bekehren. Judas aber erwidert: .... „Nul talent ne m’en prent, Car Mahons est de grant efforcement ; Nel gerpiroie por tout l’ar d’ Orient, Et se vous plest, fades moi .i. couuent Que par anior vous requier et demant: „Vez ceste tour qui est et haute et grant! Je saudrai ius, s’il vos uient ä talent; Se Mah[omez] me veult estre garant, Que ie n’i aie mal ni encombrement, Vos m’en lairez aler sain et viuant Fors du roiaume et sanz encombrement (A 247b 2— 12; B 168b 6 — 16; C 165a 18— 28; D 190c 15—25.) Aymeri und seine Barone gestehen ihm das Gottesurteil willig zu. Der Heidenkönig ruft Mahomet um seinen Bei- stand an und springt in vollem Vertrauen auf ihn vom Turme herab. Zerschmettert bleibt er am Boden liegen. Die übrigen Heiden erkennen daraus die Ohnmacht Mahomets, den sie verwünschen, und versprechen sich zu bekehren. Sie verlassen Digitized by Google 38 deo Turm und empfangen sogleich mit Bauduc und dessen Weibe die Taufe. Dieser erhält sein Land zurück und wird Vasall Guiberts, den Aymeri mit Andrenas belehnt. Acht Tage verweilen die Franzosen noch in der Stadt. Augalete wird Christin und mit Guibert vermählt. Beide werden gekrönt, und unter grossem Jubel wird die Hochzeit gefeiert, bei der Guibert und Aymeri sich durch Freigebigkeit hervorthun. (A 247 c 42; B 168 d 11; C 165 c 16; D 191a 34.) 102] Am neunten Tage brechen die Franzosen wieder nach Nerbone auf. Guibert bleibt als König von Andrenas im Lande. Schweren Herzens sieht er seine Anverwandten von sich scheiden. Seine Mutter Ermengart, „que il a tant amte*, lässt er grüssen. Guibert begleitet sie noch ein grosses Stück Weges 1 ), bis ihn sein Vater zur Umkehr mahnt. Nachdem ihm Aymeri noch 1000 „ cheualiers u und 2000 „serjanz“ über- lassen und ihm auf seine Bitte hin gestattet hat, Guielin, Bertrant, Gautier de Termes, Guichart, 2 ) Huon de Florivile, Girbert 3 ) de Terascone und Fouquere zurückzubehalten, trennen sich die Parteien. Aymeri und seine Truppen passieren Balesguer, 4 ) wo sie Bauduc zurücklassen. Als sie endlich in Nerbone anlangen, werden sie von Ermengart in zärtlicher Weise begrüsst. Doch sie vermisst ihren jüngsten Sohn. Aymeri verkündet ihr darauf: „Dame, fet il, il est et sain et vis Et sires estd’un molt riche pai's; Cest d’ Andrenas, la eite seignori, Et tout le regne que nous auons conquis. Prise a Gaiete la bele o le cler vis; Salus ms mande li cheualiers har dis. “ (A 24 7 d 40 — 45 ; B 169 a 22 — 27 ; C 165dl8— 22; D 191c 10-15.) Hierauf bereitet ihnen Ermengart ein grosses Freuden- fest und beschenkt sie mit „rohes et mantiaus vairs et gris “ . 5 ) Acht Tage dauert dieser Jubel; dann kehren die Ritter in ihre Heimat zurück. Die Söhne Aymeris verabschieden sich von ihrem Vater, der mit Ermengart, dem „filluel de cui il fu seruis“ und „molt poi de lor amis“ in Nerbone verbleibt. 6 ) (A 247e 10; B 169b 1; C 166d38; D 191c 33.) ! ) AB: lieuee; C D : iornee, 2 ) C 165 c 43 hat Girart, 3 ) D 191b 27: Guibert . 4 ) Fehlt in C. 5 ) Dies bleibt in C unerwähnt. 6 ) Am Schlüsse seiner Analyse (p. 501) bricht P. Paris plötzlich die ausführlichere Erzählung ab und erwähnt nichts von den Kämpfen um die Stadt Andrenas vor der Belagerung und Erstürmung der Mauern. (Abschn. 100.) Der Rest der Chanson (Abschn. 101 — 103) ist in nur 5 Zeilen er- Digitized by LjOOQie 103] So vergehen 5 bis 6 Jahre, 1 ) in denen die beiden Alten kaum einen ihrer Söhne zu sehen bekommen. Aymeri wird mit jedem Tage schwächer und hilfloser, „car plus auoit de .vij.xx. anz et .x“, bis er schliesslich ganz an’s Lager ge- fesselt ist. Ermengart ist deshalb in tiefer Trauer und grosser Besorgnis um sein Leben. Noch dazu ist das Land in Gefahr, da der König Looys von Frankreich von einem seiner re- bellischen Vasallen, Huon Chapet 2 ), hart bedrängt ist und Gefahr läuft, vom Throne gestürzt zu werden. — III. A. Anspielungen an verschiedene Chansons de geste. 104] Der Verfasser des G. d’A. scheint nicht nur mit älteren Chansons desselben Cyklus, sondern auch mit demselben fer- nerstehenden Dichtungen gut bekannt gewesen zu sein oder wenigstens von deren Sagenstoffen einige Kenntnis gehabt zu haben. Das beweisen Anspielungen an uns noch erhaltene Epen sowie an ein Gedicht, dessen frühere Existenz wir voraus- setzen dürfen. zählt. Er sagt darin: } ,Aimeri . . . confirme le don de Narbonne ä scm neveu (?), du consentement de tous ses enfants.“ Hiervon wird jedoch weder in B noch in A C D etwas berichtet. *) B 169b 2 lesen wir: . . . Aj. ans tous acomplis .... B bricht hier mit folgenden Worten die Erzählung ab: „D’euls vous lairai , plus n’en ferai deuis, Une autre fois y serai reuertis , Car bonne est Vistoire .“ (B 169 b 4 — 6.) Es folgt dann eine Tirade von 15 Versen (B 169 b 7 — 21), die auf die Fortsetzung der „Enfances Vivien w überleitet. Wir finden sie abge- druckt p. 47 der Ausgabe der E. V. von C. Wahlund und H. v. Feilitzen. Upsala-Paris 1886. — 2 ) Ludw. IV. (Transmarinus, d’outre mer), Mitte d. 10. Jahrhunderts ; wurde von Hugo von Francien (Hugo Capet, 987 zum König ausgerufen,) bedrängt. Digitized by v^ooQie 40 105] Bereits Couraye Du Parc (cf. Introd. IX) und Demaison (cf. Introd. p. CGXI ff.) haben Anspielungen an eine Legende über einen „Aymer le Chetif angeführt. Du Parc sagt: „II en est de meme pour les mentions frequentes dans notre chanson des aventures d’Aimer le Chetif en Espagne ; on sait qu’il a existe sur ce personnage toute une legende que nous connaissons seulement par des allusions assez vagues d’autres chansons de geste.“ Auch im G. d’A. finden wir solche Anspielungen an eine Chanson, in der Aymer die Hauptrolle gespielt haben muss. Es wird darin etwas Näheres über seine Gefangenschaft be- richtet worden sein, die ihm den Beinamen „le chetif* ver- schaffte. a) Gleich am Anfänge unseres Gedichtes, wo die Söhne Aymeris und die Länder, die sie beherrschen, genannt werden, heisst es: „Et en Espaigne Aymers li chetis . . (A 240c 17; B 157a 3; C 152b 17; D 176a 17.) b) A 241 d 46; B 159b 5; C 154c 23; D 178d2 wird Guibert von seinem Vater abgeschickt „. . . querre le chetif Aymer“, und es heisst dann A 241e 11 ff.; B 159b 23 ff.; C 154c 41 ff. ; D 178d 20 ff: Trouua Guibers le chetif Aymer Desconfit ot .i. roi felou Escler, Qui repairoit d’une terre preer; .iij.M. paiens i ot fet deu'ier. c) A 247 e 6; B 169a41; C 165d34; D 191c29 heisst es endlich von ihm, nachdem von den andern Rittern erzählt ist, dass sie in ihre Heimat zurückgekehrt sind: Et en Espaigne (sc.: uet) Aymers li chetis. Aymer wird auch sonst noch verschiedene Male in unserm Epos mit diesem Beinamen „li chetis “ belegt, den er auch in andern Chansons, wie S. d. N. (cf. Gautier IV, 330), Al. b (v. 2601 u. 4178), Aym. (v. 4590), Mt. A. (v. 547, 592, 1384) etc. führt. Es folgen nun Anspielungen an noch erhaltene Gedichte : 106] Le Departement des Enfans Almeri. a) A 240c 14 ff; B 156dl4ff.; C 152b 14 ff; D 176a, 14 ff. lesen wir : „A Ansettne, cel estrange pais, Et en Espaigne Aymers li chetis, Est .i. miens filz, Garins li poestis, Et k Brubant est Bernars li flouris, Et k Orenge QtwiWaumes li marchis, Et k Biaulande Ernaus li poestis.“ *) J ) Über die Verwechselung Emauts de Gironde mit Ernaut de Beau- lande cf. No. 79 Anm. 3 u. No. 108. Digitized by v^ooQie 41 Bueves de Commarchis ist hier vergessen, wird aber am Schlüsse unserer Chanson, wo von der Rückkehr der Barone in ihre Länder die Rede ist, ausser in C mit erwähnt. Diese Anspielung steht: b) A 247 e 1 ff. ; B 169a 36 ff.; C 165d30tf.; D 191c 24 ff. und lautet: A Ansettne est Garins reuertis, Et il Orenge Guillaumes li marchis, 1 ) Et Brubant uet Beruars li iloris, Et en Gascoigne Bueues de Commarchis, Et ät Gironde uet Ernaus li*hardis, Et en Espaigne Aymers li chetis. *) In dem „Departement des Enfans Aimeri“ wird erzählt, wie die Söhne Aymeris mit Ausnahme Guillaumes und Aymers in den Besitz dieser Länder gelangen. 1 ) (cf. Gautier IV, 318—319.) 107] Siege de Narbonne. a) A 240c 20-21; B 157 a 6- 7; C 152b 20— 21 ; D 11 6a 20 — 2 1; N’a que Guibert remez eil cest pa'is Que en la crois inistrent li sarr[azinj. und b) A 240c 37— 41; B 157a 23— 27; C 152cl — 5; D 176b 4— 8: „Sire, fet eie, Guibelins le hardis Por ce qu’en crois fu traueilliez et Le doit auoir, par foy le vous pleuis, inis C’est le plus iosnes si est li plus petis, El despit dieu, le roy de paradis.“ Diese beiden Stellen beziehen sich auf die Kreuzigung Guibelins (Guiberts) im S. de N. (cf. Gaut. IV, 327.): Während des Kampfes vor den Mauern Narbonnes ist der junge Guibelin in der Stadt zurückgelassen worden. Von einem unwiderstehlichen Thatendrange getrieben eilt auch er hinaus auf das Schlachtfeld, wird aber sofort gefangen ge- nommen. Furchtsos weilt er im feindlichen Lager, und ver- gebens suchen ihn die Seinen. Nach dem Zweikampfe Roumans’ mit Gadifer, in dem letzterer unterliegt, hat Aymeri eben von der Höhe der Mauer herab einen Heiden durch einen Pfeil- schuss getötet, da plötzlich — erblickt er seinen jüngsten Sohn, den die Sarazenen an’s Kreuz geschlagen haben. Wie ein Wahnsinniger stürzt er aus der Stadt, gelangt zu dem Kreuze und befreit Guibelin aus seiner qualvollen Lage. (Gaut. . 325 ff.) c) Eine andere Anspielung an den S. d. N. finden wir A 241 f 15— 16; B 159c 36— 37; C 155a 8— 9; D 179b 1—2, wo von Augalete gesagt wird, sie sei: „Niece Clargis, le neueu l'amire, Qui ä, Nerbowe recut crestiente.“ ') Über die Erwerbung von Orenge durch Guillaume cf. No. 109, über die Spaniens durch Aymer cf. No. 105. Digitized by LjOOQie 42 Nachdem im S. d. N. die Heiden durch Gnillaume nach der letzten Schlacht vor Narbonne in die Flucht geschlagen worden sind, wird Clargis unter grossem Jubel und glänzenden Festlichkeiten zugleich mit dem Arzte Fourre in Narbonne getauft, (cf. Gaut. IV, 331.) 108] Couronnement Looys. a) A 242d 42; B 161a 13; C 156b 28; D 180d 18: „Ou es alez Guillawme» au court nez?“ und b) A 244d34— 35; B 163c 27— 28; C 159d 19— 20; D 185 a 7—8: „Ce est GmWaumex Cil au court nes au corage adure.“ Es spielen diese beiden Stellen an das Co. Lo. an, wo Corsolt im Zweikampfe mit Guillaume jenen berühmten Schlag führt, der dem Marquis den Beinamen „au court nez“ bei- bringt. (cf. Co. Lo. v. 1035 ff. u. 1158 ff.) — V. 122 ff. wird im Co. Lo. erzählt, wie Guillaume den Verräter Hernaut, der Looys enterben wollte, tötet. Im G. d’A. nun findet sicli nicht nur eine Verwechselung von Hernaut de Gironde mit Hernaut de Beaulande (cf. No. 79 Anm. 3 u. 106 Anm. 1), sondern auch des ersteren dieser beiden mit dem Verräter Hernaut. Wir lesen G. d’A. A 241c28— 31; B 158d22— 25; C 154a41-44; D 178d3— 6: „Droit ä Gironde en irez la eite, Au felon rous qui tant a de fierte.“ Dites Eriiaut le vassal adure, Dies ,/elon “ passt durchaus nicht zu den Epithetis, wie wir sie hier einen Vers vorher und auch sonst im G. d’A. bei Ernaut finden : „li membruz“ , „ poeste/s frans ientils “ u. s. w. (cf. hierzu Gaut. IV, 341 Anm. 3 und 508.) 109] Prise d' Orange. a) A 242 d 44; B 161a 15; C 156b 30; D 180d 20 sagt Corsuble zu Guillaume: „Le roi Tiebawtf as tu deskerit6. w b) A 244d43— 44; B 163 c 36—37; C 159d28— 29; D 185a 16 — 17 heisst es von Guillaume: „Au roi Tiebawtf fist itele vilte, Qu’il li toli sa femme et sa cit6.“ Auch sonst wird Guillaume im G. d’A. als Herrscher von Orange genannt (cf. No. 84 etc.). Unser Dichter kannte also sicher die „Prise d’Orange“, wo Guillaume durch eine List in die Stadt eindringt, sich der Liebe Orables, der Gemahlin Tiebauts, versichert und schliesslich nach Einnahme von Orange die Herrin heiratet, die dann in der Taufe den Namen Guibor erhält, (cf. v. 1872.) Digitized by Google 43 110] Aliscans. Der Vers A 242 d 43; B 161a 14; C 156b 29; D 180d 19: „Mort as mon oncle dont ie sui airiez,“ von Corsuble zu Guillaume gesagt, bezieht sich vielleicht auf die Tötung Haucebiers, des Onkels von Corsuble, durch Benoart in Aliscans. 1 ) Es liegt dann entweder eine Verwechselung Guillaumes und Renoarts vor, der in des ersteren Dienste stand, oder Corsuble zieht eben deswegen den Grafen für Renoart zur Rechenschaft. 111] Foulque de Candie. a) A 240c 29—31; B 157a 15—17; C 152b 29—31; D 176a 29— 31: „Et Fouquerez li preuz et li hardis Conquist par force le destrier arraby.“ Ki uers Tiebauf, le fort roi poestis, b) A 242a 42— 43; B 160a 28— 29; C 155b 44-45; D 179d 6—7: „Et Fouqueres qui conquist Paugalis Contre Tiebaut, lo fort roi desPerssis.“ c) A 245c 13; B 165a 9; C 161b 18; D 186c 30 und A 247 d 21 ; B 168d43; C 165dl; D 191b 28: Et Fouquerös qui conquist l’auferrant. sind wohl Anspielungen an F. de C. (?), wo Tiebaut eine wichtige Rolle spielt. 112] Entree en Espagne. C 160b 29— 30; D 185c 26— 27 2 ): ... roi Fernagu, Cil qui Rollanz ocist par sa uertu. Diese Verse beziehen sich auf den Zweikampf zwischen Roland und dem Riesen Ferragus, in dem letzterer unterliegt, (cf. Hist. litt. XXVI, 354; Gaut. III (1880) p. 435. — 113] Chanson de Roland. Da der Dichter von G. d’A. der Thaten Rolands in An- spielung an die „Entree en Espagne“ gedenkt, wird ihm auch die eigentliche „Chanson de Roland“ bekannt gewesen sein, darauf lässt vielleicht auch Vers A 245b 49; B 164d 36 ; C 161a 39; D 186c 9 schliessen, welcher lautet: „Et li quius sist el noir de Baligant.“ B. Inhaltliche nnd stilistische Berührnngspnnkte mit verschiedenen Chansons de geste. 114] An die Spitze dieses Abschnittes stelle ich diejenigen Chansons, welche auf Grund meiner Untersuchungen einen 1) cf. Al. b y. 4514 u. y. 6713 ff. s ) A 244f 23 und B 164a 36 haben: roy Malostru ; der 2te der obigen Verse fehlt in A B ganz. Digitized by Google 44 entschiedenen Einfluss auf G. d’A. erkennen lassen. Darauf lasse ich die folgen, die einen solchen zweifelhaft, d. h. auch den umgekehrten Fall, den Einfluss unseres Gedichtes auf die betreffende Chanson, vermuten lassen; zum Schlüsse endlich behandele ich die, welche von G. d’A. beeinflusst sind. a. Prise d’Orange. 115] Wie im S. de B., F. de C., Enfances Guillaume, Hernaut de Beaulande, Renier de Gennes etc. (cf. Gaut. IV, 103 § 6), so handelt es sich auch in der Pr. d’O. und G. d’A. um ein Liebesverhältnis zwischen einer heidnischen Prinzessin und einem christlichen Helden, nur dass sich hier ein noch stärkerer Parallelismus der Handlung zeigt. Bereits P. Paris hatte in der Hist. litt. XXII, 498 auf den dem G. d’A. mit dem S. d. B. und der Pr. d’O. gemeinsamen Grundgedanken hingedeutet. Vgl. hierzu auch Gorras Übersetzung von Nyrops „Storia dell’ epopea francese etc.“ p. 145 — 146. In G. d’A. wird die Stadt Andrenas, in Pr. d’O. Orange eingenommen, dort Augalete, hier Orable getauft. In G. d’A. heiratet Guibert, in Pr. d’O. Guillaume eine heidnische Königs- tochter. In beiden Gedichten folgt dann ein glänzendes acht- tägiges Fest. Knüpfen wir hier an und sehen wir, was die beiden Ge- dichte ausser diesen „lieux communs“ noch sonst für Situations- ähnlichkeiten aufweisen : 116] Pr. d’O. v. 192 ff. wird Orange als eine stark befestigte und wohl bewachte Stadt gerühmt und die Schönheit Orables gepriesen. Man vergleiche hierzu G. d’A. A 240 d 3 1 — 49 ; B 157b 24— 42; C 152dl— 19; D 176c9— 27, wo Andrenas und Augalete verherrlicht werden. Aymeri sagt da: „C’est Andernas, ifi ne le quier celer, Prince poissant por la terre garder . . . Une eite qui molt fet <\ loer, Et Augalete la bele o le vis cler, .€. tours i a que l’en a fet fonder Une pucele qui molt fet ä loer; Et .c. palais qui sont de marbre cler. N’a si bele iusqu’ä la Rouge-Mer.“ — En chascuue a ou paien ou Escler, 117] V. 860 ff. finden wir Guillaume mit Gillebert und Guielin im Turme Gloriete „enserre“, wo sie sich gegen Gewaltthaten von seiten der Feinde geschützt glauben. Orable, die mit ihnen ist, verschafft ihnen dann Waffen, die sie anlegen, um sich kampfbereit zu halten. Diese Stelle erinnert lebhaft an G. d’A. A 246 d 34 ff. ; B 167b 3 ff.; C 164a 2 ff.; D 189b 12 ff., wo sich Aymeri und Augalete im Turme von Andrenas gegen Angriffe der Sarazenen Digitized by LjOOQie 45 eingeschlossen und verbarrikadiert haben. Augalete bringt dem Grafen Waffen herbei, mit denen er sich ausrüstet, um dann später am Kampfe teilzunehmen. 1 ) (cf. No. 99.) 118] Y. 1374 ff. verspricht Orable die französischen Barone zu retten, wenn Guillaume bereit sei, sie zur Gemahlin zu nehmen. Dasselbe verheisst Augalete Aymeri datür, dass sie Guibert zum Gatten haben wird. (G. d’A. A 246d 5 ff.; B 167 a 19 ff; C 163dl4ff; D 189a 24 ff.) (cf. No. 99.) 119] Y. 742 f. sind die Heiden zusammengelaufen, Por les barons veoir et esgarder. Ebenso lesen wir G. d’A. A 243 a 45— 46; B 161 d 43 — 44; C 157b 3— 4; D 181 d 24—25: De toutes pars aünent li marchis Si 11011 t ueoir le roi qui estoit pris. 120] Wie inhaltlich so zeigen sich auch in stilistischer Hin- sicht manche auffallende Übereinstimmungen in beiden Gedich- ten. Die Kampfesschilderungen gleichen einander recht sehr, zuweilen finden wir sogar gleiche Verse und Halbverse. Ich gebe nur folgende Beispiele: a) Pr. d’O. y. 954 — 57 lauten: Au col li pent un fort escu liste, El poing li baille un fort espie quarre, A un lion qui d’or fu coronez. 2 ) A .v. clos d’or le confanon fermA G. d’A. A 241b 21— 22; B 158 c 6— 7; C 1 53 d 26— 28; D 177d 18—20: Au col li pendent ,i. fort escu uoti, .1. confanon ä .v. clox d’or clofi. 4 ) Es poinz li baillent .i. roit espi6 forbi, 8 ) b) v. 1864 f. : Une grant cuve avoit fet aprester, De l’eve clere firent dedenz giter .... und v. 1879 ff. : Granz sont les noces sus el palös pav6 . . . .VIII. jorz durerent ä joie et ä barne . . . cf. hierzu A 247 c 9 ff. ; B 168 c 22 ff.; C 165b 30 ff; D 190d37 ff: Enmi la uile ont .i. fons aprestS (C: Et si font metre de l’eue grant En une cuue de vert marbre list6, plente. (Fehlt in C.) D: D’eve font mestre . . ,). 5 ) Yaue i metent dedenz ä grant plentö und A 247c 22 ff; B 168c 35 ff; C 165b 41 ff. und D 191a 13 ff: •Vni. iors tous plains furent en la Granz noces font en la sale pauee. eite ... De ioie fu la vile encourtinSe . . . 0 cf. No. 142. (S. de B.) 2 ) A 242c 27; B 160c 33; C 156a 2; D 180b 22 wird ein „escu ä Hon 11 erwähnt. 3 ) fehlt in AB; deshalb ist diese Stelle C entnommen. 4 ) cf. No. 127 (Co. Lo.). 5 ) cf. No. 135 (Al.). Digitized by LjOOQie 46 121] Es ist in beiden Chansons die Taufe der heidnischen Prinzessin und die Hochzeit in nur ganz wenigen Versen an- gedeutet. Jonckbloet sagt t. II, p. 78: „II est bon d’observer que le poeme primitif de la Prise d’Orange ne finissait pro- bablement pas d’une maniere si abrupte que la branche re- maniee. II est probable que le bapteme et le mariage d’Orable y etaient racontes en detail.“ 122] Da wir nun in G. d’A. Anspielungen an die Pr. d’O. finden (cf. No. 109), während der umgekehrte Fall nicht vorhanden ist, muss die Pr. d’O. es gewesen sein, die einen eben so kurzen Schluss in G. d’A. veranlasste und' überhaupt unsere Chanson beeinflusste. b. Aymeri de Narbonne. 123] Aym. ist dasjenige Gedicht, das G. d’A. am meisten hinsichtlich der Sprache gleicht. Demaison sagt zwar Introd. p. CIV: „A l’epoque oü fut cornpose Aymeri de Narbonne, le style des chansons de geste etait jete dans un moule passable- ment uniforme. On abusait alors des expressions banales, des cliches invariablement reproduits chaque fois que l’occasion s’en presentait. Les jongleurs avaient ä leur disposition une serie de phrases toutes faites, d’un emploi facile, dont ils se servaient sans cesse pour remplir et allonger leur Couplets.“ Er weist dann auf P. Meyer hin, der in der Einleitung zum „Raoul de Cambrai“ (p. p. P. Meyer & A. Longnon, Paris 1882) p. LVIII— LX eine Liste solcher formelhaften Ausdrücke aufgestellt hat. Zum Schlüsse aber sagt Demaison p. CV über den Dichter des Aym.: „En resume, Bertrand est, pour la forme aussi bien que pour le fond, l’un des meilleurs poötes epiques de la periode ä laquelle il appartient.“ 124] Wenn wir nun auch im G. d’A. genug solcher phrasen- haften Wendungen finden, so zeigt sich doch trotzdem noch eine Ähnlichkeit des Stiles beider Gedichte im grossen und ganzen, der uns auf einen Einfluss der einen der beiden Chansons auf die andere oder gar auf gleichen Verfasser scliliessen lassen könnte. Man vergleiche Stellen wie: a) Aym. Tirade XCIH und G. d’A. A 242a 34 ff.; B 160a 20 ff; C 155b 35 ff; D 179c 33 ff: kymeris fu as fenestres assis „Bien dites, sire,“ fet la dame gentis. Et Erm engars, la contesse gentis, Atant monta sus .i. destrier de pris, Deuers senestre a retornS son vis Contre ses genz va li quens Ay meris, Et uoit uenir maint cheualier de pris . . Les barons a baisiez et coniois „Gentil contesse, par le cors Saint - Si en mena les barons seignouris Denis, El palais de Nerbone. Je uueil issir encontre mes amis.“ Digitized by LjOOQie 47 b) Aym. XCI und G. d’A. A 245b 41 ff.; B 164d28 ff.; C 161a 31 ff.; D 186c 2 ff: Uaissent, Guillawmes s’en maine l’au- Aus ars d’aubour uont encontre ferrant, traiant ; L’antre destrier le uet aprez siuant Li quens Guillaumes se regarde sou- Qui fu au roi Malagu le poissant. uent, II nel perdra huimäs inien esciant; Do sor d’Egypte grant enuie li prent. Ensemble furent norri et longuement. Par tans ferra des grans cox sor la .V. paien issent de la eite uaillant, gent L’uns sist el sor et l’autres el bau- .1111. M. furent el premier chief deuant, chant, Et d’autre part i uint esperonant Li tiers el griz et li quars el bruiant, Li rois Judas ä . C . M . Perssanz Et li quins sist el noir de Baligant. Qui sont issuz de la cit6 poissant, Selonc .i. pui uont Guillaume ataig- Si aiousterent . ij . M . maintenant nant, Et d’une part et d’autre. undA 245 e 12 ff; B 165c 25 ff; C 162a 16 ff; D 187b 23 ff: Aymeris fu plains de grant hardement Quens AymeHs o le grenon ferrant Et par eage n’ot bome si uaillant ... Et si ami et si apartenant. Son cor sona Aymeris le ferrant, S[e]il nous trueue, n’auons de mort En la eite l’oi'rent a’itant. garant, Autre fois sone Aymeris le ferrant, Fuions nous ent trop alons atendant.“ Que bien l’oirent Achinars et Brui- A ces paroles en sont tornez fuiant. lant . . . Quens Aymeris s’escria maintenant: Dient paien: „Par mon dieu Terua- „Fil k putain, Sarr azin et Perssant, gant, As .ij. raeillors bataille nous de- Ce sont Francots qui sonent l’olifant. mant tf Qa est uenus par le mien esciant c) Aym. CIV und G. d’A. A 244a 45 ff; B 162*d9 ff. ; C 158d 40 ff; D 184a4 ff: Li paien saillent grant et fier et corssu, Gautier de Termes et Girart le As Nerbonois sont encontre uenu .... membru Noise demainent et grant cri et grant Ont pris ä force li cuuert mescreu . hu, A Ay meri en est .i. mös uenu . . . A nos barons sont encontre uenu. A tout .v. c. armez et feruestus Maces ont granz et maint picot agu, Jusqu’ ä l’estor en sont courant uenu. Et tex i a fort espiel esmolu; Quantil iuindrent, fier estor ont rendu, Cui il consiuent mors est et confonduz. Tant ruiste cop ont sor paiens feru, Sor Francop ont tant caplö et feru, Bertran et Guy ont le iour seccouru Gui et Bertran ont pris et retenu, Et [tos] les autres, qui ierent retenu . . Man könnte so noch viele Tiraden einander gegenüber- stellen, die sich in beiden Chansons sprachlich eng berühren, doch die obigen mögen genügen. 125] Aym. v. 4655 wird als vierter Sohn der dritten Tochter Aymeris Soef del Planteiz (AB: Soies; E: Soiher; ABE: du Plaisseis 1 *) genannt. Es ist dies die einzige Stelle, wo ich ausser in G. d’A. diesen Namen gefunden habe. In G. d’A. J ) Ich wähle hier zur bessern Vergleichung der Lesarten beider Gedichte die für G. d’A. eingeführte Handschriften-Bezeichnung. Mit E bezeichne ich die Hs. Bibi. Nat. 1448. Digitized by LjOOQie 48 lautet er ebenfalls an 2 verschiedenen Stellen und in den Hss. verschieden. (Vgl. p. 23 Anm. 4 und 27 Anm. 1.) — 126] Dass nun aber Aym. und G. d’A. doch nicht von dem- selben Verfasser herstammen können, bezeugt uns folgender Umstand : Aym. CXV, wo vom „nienor Guibelin dem siebenten Sohne Hermenjarts und Aymeris, gehandelt wird, heisst es am Schlüsse: Puis li dona Aymeris en Ja fln Si fu oirs de Nerbone. Tot son pai's et son palös marbrin; Es stehen diese Verse in direktem Widerspruche zu G. d’A., wo Aymeri seine Gemahlin um Rat fragt, wen er als Erben von Nerbone einsetzen solle, und er ihr, als sie Guibelin vorschlägt, antwortet: „Ne place ä. dieu A cui ie doinse ne terre ne pai's. Que i& mes cors ait ne Alle ne filz Aillent conquerre aussi commeiefis.“ (A 240c 42—45; B 157a 28— 31 ; C 152c 6-9; D 176b 9—12.) Aymer'iet, der Pate des alten Grafen, erhält dann Nerbone. Dem Verfasser von Aym. kann demnach die Chanson G. d’A.nicht bekannt gewesen sein; es kann infolgedessen Aym. auch nicht von G. d’A. beeinflusst worden sein, sondern der umgekehrte Fall muss stattgefunden haben. c. Couronnement Looys, 127] Inhaltlich berühren sich Co. Lo. und G. d’A. nicht, wohl aber zeigt die Sprache beider Epen zuweilen eine recht auf- fallende Ähnlichkeit; z. B. Co. Lo. v. 2474 ff.: „Aportez mei mes plus cbiers guar- Ceinte a l’espee a son senestre flaue; uemenz ! “ L’en li ameine le buen destrier corant . . Et eil respont: „Tot a vostre comant.“ A son col pent un fort escu pesant, L’en li aporte senz plus d’arestement. Entre ses poinz un fort espie tren- E1 dos li vestent son halbere jaserent. . . chant, Et puis lilacentunvertelme brisant,.. A eine clos d’or un gonfanon i pent. cf. hierzu G. d’A. A 241a 36 ff.; B 158b 12 ff.; C 153c 34 ff.; D 177c 16 ff.; die Stelle lautet nach C, wo die Übereinstimmung noch grösser als in A ist: (Aymeris) „Totes mes armes aportez ei auant . .“ Li caint l'espee au pontreflambiant . . . „Sire, fet il, tot s\ uostre comant.“ Puis li amoinent .i. destrier arrabi, . . . Totes ses armes li aportent deuant. Molt tost i roonte li filluel Aymeris; El dos li uestent lo hauberc iazerant, Au col li pendent .i. fort escu uoti, El chief li lacent le uert eaume Es poinz li baillent .i. roit espie forbi, luisant, ... .1. confanon a .v. clox d’or clofl. Co. Lo. v. 2495 ff. werden dieselben Zeilen mit Ausnahme nur weniger wiederholt. Digitized by LjOOQie 49 128] Sonstige gleichlautende Verse sind z. B. Co. Lo. v. 2145—46 u. G. d’A. A 245 b 24—25; B 164 d 11—12; C 161a 14— 15; D 186b 24— 25: . . . ses escus esfc fendus et perciSs Et 8es haubers desrous et desmailliSs. Co. Lo. y. 2592 u. G. d’A. A 246 a 31; B 166 b 18; C 162 d 42; D 188b 1: Que flors et pierres en a ius trebuschiS (C D : aval en abati6 (D r afcastiS), u. s. w. 129] Nach dem, was wir aus den wenigen angeführten gleichen Lesarten entnehmen dürfen, kann also der Verfasser des G. d’A. mit dem Co. Lo., wohl dem älteren der beiden Gedichte, bekannt gewesen und hinsichtlich des Stils beeinflusst worden sein; allerdings sind wir ähnlichen Versen auch in der Pr. d’O. und Aym. begegnet. Gegen den umgekehrten Fall, dass G. d’A. auf das Co. Lo. eingewirkt haben könnte, spricht der Umstand, dass wir im Co. Lo. bei der erstangeführten Stelle für denselben Akt der Handlung auch eine fortlaufende — ant- Tirade vor uns sehen, während der Verfasser unserer Chanson uns eine zusammengehörige Erzählung in zwei endungsver- schiedenen Tiraden giebt. d. Aliscans. 130] In der „Bataille d’Aleschans oder d’ Aliscans“ spielt ein König Bauduc eine Rolle, die der des Bauduc im G. d’A. in mancher Hinsicht recht ähnelt. In beiden Chansons (Al. b v. 5087 ff.; G. d’A. A 242c 39 ff.; B 160 d 1 ff; C 156a 16 ff. ; D 180b 36 ff.) rückt Bauduc an der Spitze eines Sarazenenheeres den Franzosen entgegen. In Al. kommt Aymer, in G. d’A. ausser diesem noch Aymeri und Ernaut in eine bedrängte Lage im Kampfe mit ihm und seinem Gefolge (Al. b v. 5168 ff; G. d’A. A 242e26ff.; B 161b 6 ff.; C 156c 18 ff; D 181a 16 ff), aus der sie durch andere Barone erlöst werden. 1 ) In Al. finden wir dann Bauduc im Zweikampfe mit Renoart, in G. d’A. mit Aymeriet. (Al, b v. 7015 ff. ; G. d’A. ebendas.) Bauduc unterliegt in beiden Gedichten nach langem Kampfe, fleht um Gnade und verheisst sich taufen zu lassen, was dann später erfolgt. (Al. b v. 8134 ff; G. d’A. A 247 c 9 ff. ; B 168c22ff; C 165b 30 ff; D 190d 37 ff.) 131] Ein Unterschied der Situationen in den beiden Epen be- steht darin, dass in Al. die beiden Gegner Bauduc und Renoart so lange kämpfen, bis sich ersterer ergeben muss. In G. d’A. 1) ct. No. 89. 4 Digitized by LjOOQie 50 dagegen flieht der Heide aus dem Handgemenge ; Aymeriet verfolgt ihn, holt ihn schliesslich ein und zwingt ihn, sich zu unterwerfen. 1 ) Ferner erfolgt in G. d’A. die Taufe Bauducs erst nach der Einnahme von Andrenas, nachdem der heidnische König zusammen mit Judas von Andrenas noch einmal gegen die Franzosen gefochten hat und zum zweiten Male unterlegen ist, 2 ) in Al. gleich nach seiner Besiegung. 132] Als in Al. das französische Heer nach Orange kommt, befindet sich Guillaume mit seiner Gemahlin Guibourc am Turmfenster, und beide beobachten das Heranrücken der Trup- penmassen. (Al. b v. 4125 ff.) Man vergleiche dazu: 1) G. d’A. A 241 f 49 — 242b 4 ; B I59d 26-160a 44; C 155a42— 155c 15; D 179b 35— 179d 22, wo Aymeri und Ermengart der Ankunft ihrer Söhne vom Turme aus zuschauen und der alte Graf sie dann bewillkommt. 2) A 241ell— 23; B 159b 23— 35; 0 154c41— d9; D 178d20 — 33, wo von Aymers Rückkehr aus Spanien er- zählt wird. Die Stellen lauten nach A: I, Ay meris uint as fenestres au uent Entre ce bois et icele montaigne Si regarda amont vers Orient LauientHen?awsosariche compaigne Si uit uenir dant Bernart de Brabant, Vez le dragon k cele riebe enseign. En sa compaigne maint cheualier Que seult porter es grans olz Karle - uaillant. m aine ! Li quens apele Ermengart la sachant, Auecluiatantprince et tantchat eigene Son filz Guill aume k l’adure talent. Par Sawf-Malo qu’en aoure en Bre- „Esgardez Qa, dist li quens en riant, taigne. Qa voi uenir dant Bernart de Brubant, Mar m’atendront li Sarrazin En sa compaigne a merueillouse gent, d’Espaigne, Si Lome sont molt fier et combatant; S’ä Andrenas les truisen la campaigne, Mar i entrerent Sarr